Indien

Unser Osterurlaub 2008 führte uns nach Indien. Beim Erzählen über unser Vorhaben erlebten wir teilweise erstaunliche Reaktionen. Viele schienen Indien sehr gut zu kennen oder von jemandem gehört zu haben, der jemanden kennt, der bereits in Indien war. In dem Land, in dem man mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Stelle noch am Ankunftstag schwer krank werden würde, wo es überall Berge von Dreck gibt, wo es laut ist und stinkt, Witwen verbrannt, Mädchen getötet und Reisende unter Felsen verschüttet werden. Es wurde vor Seuchen, Zugunglücken und einstürzenden Bauten gewarnt. Und so gingen wir mit gemischten Gefühlen auf unsere Reise….

Am Samstag, dem 15. März ging es los. Nach einem langen Flug mit mehrstündigem Zwischenstopp in Istanbul kamen wir in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages in Delhi an. Der Anblick des Flughafens ließ spontan die Warnungen hochkommen. Wir fanden uns in einer riesigen Baustelle wieder mit Plastikplanen über den Köpfen, die von unsolide aussehenden Holzbohlen gehalten wurden. Alles war schmuddelig, improvisiert, unorganisiert und laut. Annähernd eine Stunde mussten wir vor der Passkontrolle warten. Nachdem wir unsere Koffer gefunden hatten, empfing uns Piyush, ein netter junger Reiseleiter, der uns während der gesamten Woche begleiten sollte.

Es war noch dunkel, als wir in unserem Reisebus Platz nahmen und nach dem Verstauen des Gepäcks, machten wir uns auf den Weg zu unserem Frühstückshotel. Voller Neugierde spähten wir in die Dunkelheit und gelangten schnell zu der erschreckenden Erkenntnis, dass es nicht –wie vermutet- die Slums von Delhi waren, die an uns vorbei rauschten. DAS war Delhi? Die Weltstadt und aufstrebende Wirtschaftsmacht, die Heimat der Maharadschas und Reichen? Hier, so heißt es, soll es mehr Milliardäre geben als in China?Bei einem opulenten Frühstück, dem besten, das wir während der gesamten Reise bekommen sollten, konnten wir den Schrecken verdauen und einen ersten Eindruck von unseren 16 Mitreisenden gewinnen. Eine durchweg nette Truppe, so schien es und das sollte sich während der folgenden Tage auch bestätigen. Inzwischen war es hell geworden und der Kaffee, der Anblick des blauen Himmels, das erwachende Leben auf den Straßen und das bunten Durcheinander von Fahrzeugen, Menschen und Tieren, ließen unsere Lebensgeister erwachen. Nun waren wir also hier, bereit, uns dem „Abenteuer Indien“ zu stellen und so oder so mit neuen Erfahrungen und Eindrücken nach Hause zu fahren.

Ein wenig voreingenommen von den Erzählungen der Daheim gebliebenen, den vor Reiseantritt gelesenen Informationen und unseren ersten Eindrücken, begann unsere 7 tägige Rundreise mit einer Stadtrundfahrt durch Delhi. Doch schon bald merkten wir, dass unsere Faszination für Land und Leute von Kilometer zu Kilometer wuchs. Und das Land der extremen Gegensätze zog uns immer mehr in seinen Bann. Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, Emanzipation und Diskriminierung sind die Extreme, zwischen denen sich das südasiatische Land bewegt.

Wir werden geblendet von der leuchtenden Farbenvielfalt der Saris, in die sich die Frauen hüllen und müssen im nächsten Moment die Augen vor einer großen Staubwolke schließen. Gerade bewegten wir uns noch auf einer der wenigen, gut ausgebauten Autobahnen und nun benötigen wir eine geschlagene Stunde für eine Strecke von 20 km, die unser Reiseleiter als „romantisch“ bezeichnet.

Mit Grauen beobachten wir in den Städten Verkehrssysteme, die immer kurz vor dem Kollaps zu stehen scheinen und sind fasziniert über die Gelassenheit, mit der sich Kühe, Ziegen oder Kamele durch den dichten Verkehr bewegen, ohne dass es jemand zu bemerken scheint.

Einige Städte sind verdreckt bis zum Geht- nicht- mehr, in anderen sieht man morgens Frauen mitten auf einer großen Kreuzung zwischen den Fahrzeugen die Straße fegen.

Die Speisen bewegen sich zwischen extrem süß und höllisch scharf. Wir lauschen den Klängen der Sitar und der klassischen indischen Musik, während um uns herum Hupkonzerte dröhnen. Ohne Indien gäbe es keine moderne Mathematik und das Land nimmt einen führenden Platz auf dem Gebiet der Informations- und Biotechnologie ein. Die indischen Finanz- und Wirtschaftsmärkte boomen. Gleichzeitig weist der Subkontinent einen der höchsten Anteile an Analphabeten auf, nämlich etwa 40 – 45%.

Joan Robinson, eine bekannte englische Wirtschaftwissenschaftlerin formulierte treffend: „Egal, was man über Indien behauptet, das Gegenteil ist genauso wahr.“ Mit einer gewissen Skepsis brachen wir zu unserer Reise nach Indien auf. Nur neun Tage später kehren wir nach Hause zurück, voller Begeisterung über die neuen Eindrücke, voller Faszination für das Land und voller Respekt vor den Menschen, ihrer Bescheidenheit und ihrer Kultur.

„Wer einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, der wird  ein Stück Indiens mit nach Hause nehmen und in sich bewahren .“ Hermann Hesse

Qutab Minar

Qutab Minar ist eine 73 m hoch aufragende Siegessäule, 1193 von Qutab-ud-din nach dem Sieg über das letzte Hindureich von Delhi errichtet. Sie symbolisiert die islamische Herrschaft über die Stadt. Die Siegessäule hat fünf Stockwerke, jeweils durch einen Balkon markiert, und verjüngt sich von 15 m Durchmesser im Fundament zu nur 2,50 m an der Spitze. Die ersten drei Stockwerke sind aus rotem Sandstein, das vierte und fünfte aus Marmor und Sandstein.                                          

Am Fuße der Siegessäule befindet sich die Quwwat-ul-Islam Mosque, die erste Moschee Indiens. Eine Inschrift über ihrem Osteingang verkündet provokativ, dass sie aus Steinen 27 zerstörter „Götzen- (sprich: hinduistischer) Tempel“ erbaut wurde.

Jama Masjid- Moschee

Die Jama Masjid- Moschee (persisch „Moschee, die auf die Welt blickt“) in Delhi ist die größte Moschee Indiens und eine der größten der Welt. In dem riesigen Innenhof finden beim Freitagsgebet an die zwanzigtausend Menschen Platz. Das Freitagsgebet ist eine islamische Tradition, die für muslimische Männer verpflichtend ist. Dieses Gebet ist das wichtigste der gesamten Woche und soll, wenn irgend möglich, gemeinschaftlich in der Moschee verrichtet werden.


Der Bau der Moschee erfolgte zwischen 1644 und 1658. An den Arbeiten waren etwa 5000 Handwerker beteiligt. Es wurde hauptsächlich roter Sandstein verwendet. Die Fassade ist zum Teil mit weißem Marmor verkleidet, in den persische Inschriften eingelassen sind. Auch die Kuppeln bestehen aus weißem, die Streifen aus schwarzem Marmor. Die von 260 Säulen gesäumte Gebetshalle ist nach Mekka im Westen ausgerichtet.


Die Jama Masjid hat eine Länge von 65 m, ist 26 m breit und wird von zwei 40 m hohen Minaretten eingerahmt. Sie gilt als eines der wichtigsten Gemeindezentren für die Moslems in Delhi und ist so bedeutend, dass in ihr Reliquien des Propheten Mohammed aufbewahrt werden.

Fatehpur Sikri

Fatehpur Sikri, die ehemalige Hauptstadt des Mogulreiches (1571-1585), liegt 40 Kilometer südwestlich von Agra und ist heute eine typische indische Kleinstadt im Bundesstaat Uttar Pradesh mit über 35.000 Einwohnern.


Einer Legende zufolge besuchte der kinderlose Mogul-Herrscher Akbar im Jahr 1568 den berühmten Mystiker Sheikh Salim Chisti in seiner Klause in Sikri, um mit ihm um die Geburt eines Sohnes zu beten. Nur ein Jahr später wurde ein gesundes Kind geboren, der spätere Thronfolger Jehangir. Akbar errichtete aus Dankbarkeit am Wohnsitz des heiligen Mannes auf einem Hügel gleich eine ganze Stadt – Sikri. Im Jahr 1571 begannen die Bauarbeiten mit der Errichtung einer 10 km langen Befestigungsmauer, danach folgte der Bau der großen Moschee mit einem Hof von 109 mal 133 Metern und dem Marmormausoleum des heiligen Sheikh Salim Chisti. Fünf Jahre später war alles fertig gestellt.
Nach einem erfolgreichen Feldzug in Gujarat benannte Akbar die neue Hauptstadt in Fatehpur (Stadt des Sieges) Sikri um. Aber schon gut 10 Jahre nach dem Bau verließen Akhbar und sein Hofstaat Fatehpur Sikri wieder. Unter anderem war von Anfang an die Wasserversorgung ein Problem und zurück blieb eine Geisterstadt. Der Wassermangel sorgte allerdings auch dafür, dass hier bis heute alles noch relativ gut erhalten ist. Keiner der späteren Herrscher und Eroberer Indiens hatten Interesse daran, hier zu wohnen, die Stadt zu besetzten oder etwa zu zerstören. Der Palast wurde im Jahr 1619 noch einmal kurz bewohnt, als Jehangir wegen einer Pestepidemie kurzzeitig vom roten Fort in Agra nach Fatehpur Sikri umzog.


Seit 1982 finden auf dem Gelände archäologische Arbeiten statt, 1986 wurden die Baudenkmäler der Stadt dem Schutz der UNESCO unterstellt und gehören zum Weltkulturerbe.

Taj Mahal

Der Taj Mahal, deutsch Tadsch Mahal (persisch “Krone des Ortes“ bzw. „Kronen-Palast“) ist ein Grabmal aus Marmor, das vom indischen Großmogul Shah Jahan 1651 für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal erbaut wurde, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb.
Untröstlich über ihren Tod ließ er einen Prunkbau aus rotem Sandstein und Marmor errichten. Die Baumaterialien wurden aus ganz Indien und Asien herangeschafft. Über 1.000 Elefanten wurden zum Transport herangezogen, 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen wurden in den Marmor eingefügt.

Eingang zum Taj Mahal

Um den „zu Stein gewordenen Seufzer“ zu verwirklichen, wurden die geschicktesten Handwerker aufgeboten. Sie schufen das Mausoleum mit seinen 22 Kuppeln, mit den 40 m hohen Minaretten an den vier Ecken der Umfassungsmauer. Im Zentralbau fanden Mumtaz Mahal und später auch ihr Gemahl Shah Jahan ihre gemeinsame Ruhestätte.

Taj Mahal

Der 18 Hektar große Garten mit seinen Zypressen und Teichen ist eine Vision des göttlichen Paradieses auf Erden.
Im heutigen Bundesstaat Uttar Pradeshs gelegen, wurde der Prunkbau in aller Welt zum märchenhaften Symbol für den indischen Subkontinent.
Eine weit verbreitete Legende besagt, dass ursprünglich noch ein gleiches Bauwerk aus schwarzem Marmor als Mausoleum für Shah Jahan selbst auf der anderen Seite des Flusses Yamuna geplant war.
Schah Jahan wurde zuvor von seinem Sohn Muhammad Aurangzeb Alamgir entmachtet und verbrachte den Rest seines Lebens als Gefangener. 1666 wurde er neben seiner Gattin beigesetzt..
Das Taj Mahal und Teile des Gartens wurden einige Jahrzehnte lang restauriert, um dann im Jahr 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen zu werden.

Palast der Winde

Hawa Mahal („Palast der Winde“) ist ein architektonisch außergewöhnlicher Palast in der Altstadt von Jaipur östlich des Stadtpalastes. Das den verschwenderischen Lebensstil der Rajputenfürsten dokumentierende Lustschloss wurde 1799 erbaute und ist als Sehenswürdigkeit überregional bekannt.


Das fünfstöckige Gebäude mit der wabenartigen Fassade besteht aus rotem und rosa Sandstein mit Verzierungen aus Branntkalk und diente ausschließlich  dazu, den Haremsdamen den Ausblick auf die pompösen Festumzüge zu ermöglichen, ohne selbst gesehen werden zu können. Die Fassade zur Straße enthält 953 kleine, kunstvoll gestaltete und vergitterte Fenster, die eine ständige Luftzirkulation gewährleisten, daher der Name Wind-Palast (Hawa = Wind, Mahal = Palast).

Rotes Fort

Weil sich der Mogul- Herrscher Akbar in Delhi nicht mehr sicher fühlte, ließ er sich im
16. Jahrhundert in Agra eine neue Festung bauen
Zunächst trafen sich hier Philosophen, es wurde Gericht gehalten und man feierte Feste.

Schließlich bauten die Nachfolger Akbars weiter. Akbars Enkel Sha Jahan, der bauwütigste aller Moguln, ist weitgehend für die äußere Erscheinung des Forts verantwortlich. Er verwandelte es in einen prächtigen Palast mit der Marmormoschee Jahans Moti Masjid.
Während Akbar vorwiegend aus rotem Sandstein mit Marmoreinlagen bauen ließ, bevorzugte Shah Jahan weißen Marmor als Baumaterial mit Verzierungen aus Gold, Halbedelsteinen und Spiegeln.

Im Jahre 1648 wurde Delhi die Hauptstadt des Mogulreiches. Als Sha Jahan Jahre später von seinem Sohn Aurangzeb gestürzt wurde, kehrte er endgültig nach Agra zurück. Hier verbrachte er unter Hausarrest seine letzten Lebensjahre. Vom Jasminturm aus konnte er auf das 2,5 km entfernte Taj Mahal, das Grabmal seiner Lieblingsfrau, blicken. Den Thronsaal mit seinen Intarsienarbeiten in der Halle der öffentlichen Audienzen durfte er nicht mehr betreten.

Jasminturm

Im Jahr1983 erklärte die UNESCO das Rote Fort zum Weltkulturerbe.

Alsisa

Es geht auf das Ende unserer Rundreise zu und wir machen Station in dem kleinen Ort Alsisa. Er gehört zur Provinzhauptstadt Jhunjhunu, die 23 km von Delhi entfernt liegt. Viele Touristen wird man hier nicht finden, denn die Straße ist kaum befahrbar. Um zu unserem Hotel zu gelangen, mussten wir einen Fußweg von ca. 5 Minuten durch staubige Straßen in Kauf nehmen, da der Bus nicht durch die engen Straßen fahren konnte.
Im gesamten Ort findet man ausschließlich staubige und sandige Straßen, Pflasterung sucht man außerhalb des Hotels vergeblich. Einige Ecken sehen recht vernachlässigt aus und wir wurden von vielen Blicken verfolgt, kaum hatten wir das Hotel verlassen.
Piyusch zeigte uns einige verlassene Gutsherrenhöfe, „Havelies“ genannt, die eigens für uns aufgeschlossen wurden und größtenteils in einem verwahrlosten Zustand waren. Dennoch konnte man die Pracht der früheren Jahre erkennen und von den Dächern hatte man einen guten Blick auf die umliegende Gegend.

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