Hawaii

Der Gedanke, nach Hawaii zu fliegen, hat mich lange Zeit nicht sonderlich begeistert. Die An- und Abreise ist mit 22-30 Stunden sehr lang, oft gibt es mehrere Zwischenstopps mit teilweise stundenlangen Aufenthalten und die Zeitverschiebung von 12 Stunden ist auch nicht zu verachten- Jetlag lässt grüßen…
Zudem war ich der Meinung, dieses Ziel sei mir zu „naturlastig“- liebe ich es doch, im Urlaub eine gesunde Mischung aus Natur, Kultur und Erholung zu (er)leben.
Der erste Tag in Waikiki schien meine Vorbehalte zu bestätigen. Große Hotelkomplexe am Strand, Sand, Palmen, viele Touristen. Um das zu erleben, muss ich keine Reise von einem ganzen Tag auf mich nehmen.
Es war warm, die Sonne schien, aber immer wieder regnete es aus mir unverständlichen Gründen aus blauem Himmel. Super- 14 Tage mit einer ständig ruinierten Frisur, genau das, was ich brauche!

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Am 2. Urlaubstag begannen wir mit unseren Ausflügen. Eine Besteigung des Diamond Head stand auf dem Programm und als ich auf dem Gipfel stand und auf die herrliche Landschaft ringsherum schaute, bekam ich eine Ahnung von der Faszination dieser Inseln.
Meine Begeisterung wuchs von Tag zu Tag, von Ausflug zu Ausflug und als wir nach einer Woche auf das Schiff gingen, war ich schon sehr eingenommen von Hawaii und seiner Vielfältigkeit.

Die Besuche der verschiedenen Inseln, die Ausflüge, die herrlichen Strände, aber auch das viele Grün und die teilweise sehr bizarren Landschaften begeisterten mich immer mehr. Und nach unserem Hubschrauberflug über Kauai war es endgültig um mich geschehen. Ich habe meine Trauminseln gefunden!
Schon vor unserem Urlaub habe ich gelernt, dass man sich nicht AUF Hawaii befindet, sondern IN Hawaii. Die Inselgruppe ist ein Bundesstaat und man befindet sich IN einem solchen. Nach dem Urlaub habe ich gelernt, dass es nicht nur Heimweh gibt, sondern auch Fernweh.

Und für diejenigen, die jetzt immer noch nicht überzeugt sind, kann ich noch eine weitere Entscheidungshilfe geben: Es gibt DOCH Bier in Hawaii.
HO’OPONOPONO- „Denke und fühle mit dem Herzen“, sagen die Hawaiianer und wenn man Hawaii ein wenig kennen gelernt hat, versteht man, was sie damit aussagen wollen.

Aloha!

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Die hawaiianischen Inseln sind die abgelegenste und längste Inselkette der Welt. Der Inselstaat liegt 3.682 km vom amerikanischen Festland entfernt im Pazifischen Ozean und ist seit 1959 der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Der Archipel besteht aus einer Kette von über 130 Inseln. Während die nördlichen 120-130 Inseln nicht einmal 7 km² einnehmen, beanspruchen die acht im Südwesten gelegenen Hauptinseln (Oahu, Maui, Kauai, Big Island, Molokai, Lanai, Niihau und Kahoolawe) eine Fläche von insgesamt 16.633 km². Das entspricht weniger als 5% der Fläche Deutschlands. Für Touristen sind nur sechs dieser Inseln zugänglich. Kahoolawe war jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet und darf auch heute nur eingeschränkt betreten werden und Niihau befindet sich in Privatbesitz.
Zur Unterscheidung zwischen der Inselgruppe und der Insel mit dem Namen Hawaii wird diese der Einfachheit halber nur „Big Island“ genannt.
Alle hawaiianischen Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Die Pazifische Platte, die größte tektonische Platte (Tektonik= Die Lehre vom Aufbau der Erdkruste) der Erde, die den Untergrund des Pazifiks bildet, bewegt sich über einen Magmaherd, der Hitze und basaltische Magma an die Oberfläche bringt. Da sich die Platte mit einer Geschwindigkeit von 10 cm pro Jahr nach Nordwesten bewegt, werden die Vulkane allmählich vom Magmaherd (Hot Spot) weggeschoben, so dass neue Vulkane entstehen.
Durch Wind und Wasser sind die Inseln ständigen Veränderungen unterworfen. Sie formen die Oberfläche und sorgen dafür, dass die Grundlage für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Gleichzeitig zerstört dieser Erosionsprozess aber auch die Inseln und sorgt für ein langsames Abtragen. Die ältesten Inseln sind schon gar nicht mehr sichtbar, weil sie bis unter den Meeresspiegel abgetragen sind.

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Auf der jüngsten Insel der Kette – Big Island- stehen die beiden höchsten Berge Hawaiis. Der 4.169 m hohe Mauna Loa und der 4.205 m hohe Mauna Kea. Unter dem Meeresspiegel setzen sich diese Berge noch einmal über 5.000 m tief fort. Mit einer Gesamthöhe von über 9.000 m vom Fuß bis zum Gipfel sind sie damit die höchsten Berge der Erde.
Da bei Big Island noch eine Verbindung zum Hot Spot besteht, wächst die Insel noch, während sich wenige Kilometer südlich der Insel ein neuer Vulkankegel aufbaut. Hier entsteht die Insel Loihi, die es unter dem Meeresspiegel immerhin schon auf beachtliche 4.000 m bringt. Die etwa 1.000 m, die sie noch wachsen muss, um aus dem Meer auszutauchen, wird sie in etwa tausend Jahren erreichen. Wer möchte, kann sich bei „Loihi Seaview Estate“ bereits ein Stück Land für 39,95 $/km² reservieren. Am 1. April jeden Jahres wird die Internetseite besonders häufig besucht.
Man vermutet, dass gegen 300 n.Chr. die ersten Polynesier die Inseln bevölkerten. Als Entdecker Hawaiis nimmt man den britischen Kapitän James Cook an, der 1778 die Inseln erreicht haben soll. Er wurde von den Einwohnern euphorisch empfangen, da einer Prophezeiung zufolge die Rückkehr des hawaiianischen Gottes Lono, der für Ackerbau und Fruchtbarkeit zuständig war, auf einer schwimmenden Insel erwartet wurde.
Cook betrieb Tauschgeschäfte mit den Einheimischen und ließ neben Schweinen und Ziegen diverses Saatgut zurück. Allerdings schleppte Cooks Besatzung auch Geschlechtskrankheiten auf der Insel ein, welche die Bevölkerung innerhalb der folgenden 80 Jahre von 300.000 auf 60.000 schrumpfen ließen.

Im Februar 1779 plante Cook seine Abreise, musste aber wegen eines gebrochenen Mastes zurückkehren. Inzwischen ahnten die Hawaiianer, dass der „Haole“ (Weißgesicht) doch nicht der erwartete Gott war und als bei einem Streit um ein Boot die Situation eskalierte, wurde Cook am Strand erstochen.

Die Temperaturen auf Hawaii variieren im Verlauf eines Jahres kaum. Während im Sommer selten die 30°C überschritten werden, erreicht das Thermometer an „kalten“ Wintertagen immerhin noch 26° C. Von den 22 verschiedenen Klimazonen der Erde existieren 21 auf den hawaiianischen Inseln. Lediglich auf polare Wetter, wie sie an Nord- und Südpol anzutreffen sind, müssen Einheimische und Touristen verzichten.
Die hawaiianische Sprache kennt außer fünf Vokalen nur acht Konsonanten und den sogenannten ‚okina. Das ist nicht etwa ein Apostroph, sondern hilft bei der Aussprache. Er zeigt an, wo der Sprecher eine Pause machen muss. Ohne diesen Laut würde man den Ort Kaaawa (auf Oahu) mit einem gaaaanz langen a sprechen, in Wahrheit sagt man jedoch: Ka´a´awa. Und Hawaii spricht man nicht Hawei, sondern deutlich dreisilbig Hawai´i.
Hellhäutige Menschen wie Europäer oder andere Touristen werden von den Einwohnern „Haole“ genannt. „Ole“ bedeutete die Abwesenheit von etwas, und „ha“ bedeutet der Atem des Lebens, der auch in Aloha benutzt wird. Die Weißen waren also für die Einheimischen die Ohne-Leben, wegen ihrer Blässe und Freudlosigkeit. Obwohl die Touristen sich redlich bemühen, gegen ihre Blässe etwas zu unternehmen, hängt ihnen dieser Name nach wie vor an. image041

Mit einer Länge von etwa 70 km und einer Breite von 50 km ist Oahu etwa doppelt so groß wie Hamburg. Hier leben rund ¾ der etwa 1,2 Mio. Einwohner Hawaiis, obwohl die Insel nur knapp 10% der Landfläche des gesamten Archipels beträgt. Für die Einheimischen ist das Wohnen in der Inselhauptstadt Honolulu fast unbezahlbar geworden, seit 2008 ist Hawaii der teuerste US-Bundesstaat zum Mieten einer Wohnung und auch für ein Haus in Billigbauweise muss der Hawaiianer tief in die Tasche greifen.
Im Gegensatz zu den anderen Inseln gibt es auf Oahu ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrssystem. Die Fahrzeuge des Unternehmens „The Bus“ transportieren an Werktagen rund 220.000 Passagiere zu den etwa 4.200 Haltestellen. Auch wir haben einen Teil des Busnetzes kennen gelernt und für einige Ausflüge genutzt und nachdem wir während einiger Fahrten mittels Klimaanlage schockgefroren worden waren, stellten wir fest, dass man am besten auf der hinteren Sitzbank reist, denn hier hat man eine eingebaute Sitzheizung.
Der Stadtteil Waikiki ist das touristische Zentrum Honolulus. Entlang der Kalakaua Avenue, die parallel zum Strand verläuft, liegen unzählige Läden, Bars und Restaurants, sowie die teureren Hotels der Stadt. Der Bauboom setzte hier nach dem 2. Weltkrieg ein und nicht nur die Hotelburgen, sondern auch die Immobilienpreise schossen in die Höhe. Man sagt, die Quadratmeterpreise sollen sich inzwischen auf 40.000 $ belaufen. Die meisten Hotels in Waikiki gehören Japanern, die auch einen Großteil der Touristen ausmachen.
Warum dieser Strand einer der berühmtesten der Welt geworden ist, ist mir persönlich unklar. Er ist 3 km lang und in zahlreiche Teilabschnitte mit eigenem Namen unterteilt. Sein weißer Sand stammt zum größten Teil von der Insel Molokai und wurde mit dem Schiff hierher verfrachtet.
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Vom Waikiki Beach hat man von fast jedem Punkt den Blick auf den Diamond Head- Krater. Sein Name stammt von Seefahrern, die an seinem Hang wertlose Kalzitkristalle fanden, die sie für Diamanten hielten. Auf einer Höhe von 232 m hat man vom Leahi Point einen grandiosen Blick auf Waikiki Beach, den Kapi‘olani Park und das Meer.

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Diamond Head

 

 

 

 

 

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Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.

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Aussicht vom Diamond Head

 

 

 

 

 

 

 

Waikiki Beach

Waikiki

 

 

 

 

 

 

 

In Hawaii, vor allem auf Oahu leben viele Obdachlose. Man sieht sie überall- am Strand, unter Straßenbrücken, unter Bäumen oder in Parks. Andere leben in ihren Autos, oft sogar ganze Familien, oder in Zelten an den abgelegeneren Stränden. Manche Obdachlose haben ihre Habseligkeiten in großen Rucksäcken untergebracht oder transportieren sie in Einkaufswagen.
Die Anzahl der Nichtsesshaften in Hawaii hat sich seit dem Jahr 2000 um 61% erhöht. Es gibt vielfältige Gründe dafür. Einer ist – wie auch auf dem Festland der USA- der Welfare Reform Act of 1994 (Wohlfahrtsreformgesetz), der die Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzt. Andere örtliche Faktoren sind die hohen Lebenshaltungskosten, der Mangel an bezahlbaren Wohnungen, Drogenprobleme und ein Defizit an psychologischen Hilfsprogrammen.
Der Staat Hawaii versucht, das Problem zu verringern, scheint aber gegen Windmühlen zu kämpfen. Unsere Reiseleiterin erzählte, dass andere Bundesstaaten der USA ihren Obdachlosen One-Way-Tickets nach Hawaii kaufen. So müssen sie im Winter keine beheizten Unterkünfte bereitstellen.

image004Neben Waikiki Beach ist die Hanauma Bay der beliebteste Strand Hawaiis. Es handelt sich um einen Krater, der an seiner Südostseite eine Verbindung zum Meer hat. Man sagt, dass man an keinem anderen Riff in Hawaii besser und einfacher Fische beobachten kann als hier. Das führt dazu, dass heute etwa 3,5 Millionen Besucher den Strand aufsuchen. Das Riff selbst ist im Strandbereich zerstört, dennoch tummeln sich im seichten Wasser die Fische, weil sie trotz Verbotes von den Touristen gefüttert werden. Zum Schutz der Korallen und Fische wird ein Eintritt von 7,50 $ verlangt und der Dienstag wurde zum Ruhetag erhoben.

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Aufgrund der isolierten Lage Hawaiis entwickelten sich hier Pflanzen- und Tierarten, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind. Die Biologen gehen trotz der großen Entfernung zum Festland davon aus, dass Samen, Sporen und Insekten mit Zugvögeln oder auch mit dem Wind auf die Inseln kamen.
Auf der fruchtbaren Vulkanerde breiteten sich die Pflanzen relativ schnell aus. Etwa 70.000 Jahre hatte die Natur dafür Zeit und so konnte sie eine große Vielfalt hochspezialisierter Lebewesen hervorbringen. In den Regenwäldern entdeckten Botaniker beispielsweise über 90 Abarten der Lobelia. Und das, obwohl die Pflanze ursprünglich aus Südost-Asien stammt. Man vermutet, dass die ersten Lobelia-Samen von einem Hurrican auf die Insel geweht wurden.
Vor 10 bis 20 Mio. Jahren soll eine kleine Population von nordamerikanischen Finken auf die Inselgruppe gekommen sein. Aus ihnen entwickelten sich im Laufe der Zeit viele verschiedene Vogelarten. Der Artenreichtum in Flora und Fauna setzte sich fort und es entwickelten sich eigene, dem Lebensraum optimal angepasste Arten. Die meisten Tiere hatten in Hawaii keine natürlichen Feinde, denn es gab nur zwei Säugetierarten- eine Fledermausart und die heute vom Aussterben bedrohte Mönchsrobbe. Deshalb sind viele der hawaiianischen Vogelarten Bodenbrüter.

Als die Polynesier kamen, gab es keine Pflanzen, die Menschen als Nahrung dienen konnten und so brachten sie ihr eigenes Saatgut, Setzlinge und ihre Haustiere wie Schweine und Hühner mit. Zur Schaffung ihrer Felder rodeten die Siedler einige Landstriche und sorgten damit für einen ersten, damals noch relativ unbedeutenden Eingriff in das Ökosystem Hawaiis. Erste Vogelarten wurden ausgerottet.
Die Regenwälder waren für die Polynesier jedoch uninteressant und sie überließen sie den Göttern. Großes Interesse zeigten sie allerdings an den dort lebenden Vögeln, denn ein Federmantel galt bei den hawaiianischen Herrschern als Symbol der Macht. Für eine Robe mussten ca. 80.000 Vögel ihre Federn und ihr Leben lassen.
Mit dem Erscheinen der Weißen Ende des 18. Jahrhunderts ging das Ökosystem endgültig den Bach runter. Es wurden Tiere, Pflanzen und Krankheiten angeschleppt, die auf der Inselgruppe bis dahin fremd waren. Die Rinder fraßen die Landschaft kahl und sorgten für eine Dezimierung des Regenwaldes. Die kleinen, dunkel gefärbten Schweine der Polynesier paarten sich mit den großen, hellen Schweinen der Weißen. Ihre Nachkommen, die hawaiianischen Wildschweine, fraßen die Regenwälder selbst in Regionen kahl, die von den Rindern gemieden wurden. Mittlerweile richtet kein anderes Tier auf Hawaii so viel Schaden an, wie die über 100.000 wild lebenden Schweine.
Kleintiere wie Ratten und Mäuse betätigten sich als Nesträuber bei den Bodenbrütern. Die von Europäern importierten Ameisen vernichten die meisten Insekten in den Tälern und selbst so einfache Pflanzen wie Brombeeren bedrohten die ursprüngliche Vegetation, denn sie wuchern zu riesigen Hecken und ersticken dabei andere Pflanzen.
Und so veränderte sich Hawaiis Ökosystem nach und nach. Heute stellen nur die höher gelegenen Regenwälder eine Art letztes Refugium der ur-hawaiianischen Pflanzen und Tiere dar. Je höher man kommt, desto ursprünglicher werden Flora und Fauna.

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Der Aloha-Tower mit seinen zehn Stockwerken war einst das höchste Gebäude der Stadt. Heute wirkt er vor der Kulisse Waikikis fast winzig. Der 56 Meter hohe Turm wurde 1926 erbaut und galt als Wahrzeichen Honolulus. In dieser Zeit wurde die Insel ausschließlich von Dampfern angefahren. Das Gebäude, mit der Inschrift „Aloha“ auf allen vier Seiten, begrüßte Immigranten und Besucher. Bei der Ankunft der Schiffe strömten die Einheimischen an die Piers und verkauften den Passagieren den berühmten Halsschmuck aus Blumen (Lei), sie tauchten nach Münzen oder tanzten Hula.

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So sehen die "Hula-Mädchen" heute aus.

Die „Hula-Mädchen“ habe ich mir irgendwie anders vorgstellt.

Nach der „Freedom of the seas“, mit der wir im vorangegangen Jahr die Karibik besucht haben und ihren 3.500 Passagieren, erschien uns die “Pride of America” mit 2.138 Touristen geradezu mickrig. Versorgt wurden die Gäste durch 946 Angestellte. Seit 2005 ist das Kreuzfahrtschiff im Einsatz und fährt ausschließlich die Route rund um die hawaiianischen Inseln.
Nach einer schönen Woche in Honolulu/Waikiki und Umgebung gingen wir am Samstag, dem 16.11.2013 an Bord. Wir hatten eine Innenkabine gebucht, weil uns das Fenster einer Außenkabine keine 800 $ wert war. Da wir ohnehin nur nachts fuhren und keinen Seetag hatten, gab es eh nichts zu sehen.
Die Landausflüge waren sehr schön und wir stellten schnell fest, dass jede der Insel ihren eigenen Zauber hat. Mein persönliches Highlight war der Hubschrauberflug über Kauai.

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Maui ist die zweitgrößte Hawaii-Insel, dennoch leben hier weniger als ein Zehntel der Hawaiianer. Über 75% der Insel bestehen aus Wildnis, Bergen und Regenwald, auf den fruchtbaren Ebenen werden Ananas und Zuckerrohr angebaut und Rinder gezüchtet.
Maui entstand durch die Verbindung zweier Vulkane. Wegen der flachen Landbrücke zwischen dem 1.764 Meter hohen Mauna Kahalawai und dem 3.055 Meter hohen Haleakala wird Maui auch „Valley Isle“ (Tal-Insel) genannt.
Einer Legende nach schien die Sonne auf Maui vor langer Zeit nur drei oder vier Stunden am Tag. Damals lebte der Halbgott Maui mit seiner Mutter Hina in Hana. Hina sicherte ihren Lebensunterhalt durch das Nähen von Kleidung für die Inselbewohner und diese stellte sie aus der Rinde des Maulbeerbaumes (Tapa) her. Allerdings bekam sie die Rinde wegen des kurzen Sonnenscheins nie trocken. So kletterte ihr besorgter Sohn bei Sonnenaufgang auf den Gipfel des Kraters, fing mit Seilen die wenigen Sonnenstrahlen ein und fesselte sie so lange an einen Baum, bis die Sonne ihm versprach, in Zukunft langsamer ihre Bahn zu ziehen. Seitdem heißt der Vulkan Haleakala (Haus der Sonne), die Insel trägt nun den Namen des Halbgottes und die Sonne scheint dort stets genau einen halben Tag.

Eine der wenigen Straßen entlang der Südseite der Berge führt zu dem historischen Lehaina. Bevor Honolulu 1846 Hauptstadt Hawaiis wurde, hatte Lehaina diese Funktion inne. Wenn früher die Walfänger von ihren Beutezügen zurückkamen, lagen hier über 400 Schiffe gleichzeitig vor Anker. Der Hafen hatte den Ruf, wild und skandalträchtig zu sein, denn die Freizeitgestaltung der Seeleute bestand in erster Linie aus Sex und Alkoholkonsum. Viele Bewohner starben an den eingeschleppten Krankheiten und so begannen hier im Jahr 1823 die ersten Missionare den Kampf gegen Krankheiten, Prostitution und um die Seelen.

Der Ausflug mit unserem Leihwagen begann mit dem Besuch von Lehaina. Der Marktplatz wird von einem Banyan-Baum (Ficus) beherrscht, der so groß ist, dass unter seiner Krone problemlos ein Markt stattfinden kann. Der Platz wurde nach dem 1873 gepflanzten Baum benannt.

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image002Und weiter geht es über die Küstenstraße…

image012image011Die Insel Hawaii, die –um Verwechslungen mit dem Inselstaat Hawaii vorzubeugen- „Big Island“ genannt wird, ist mit erst einer Million Jahre eine junge Insel. Kauai dagegen existiert bereits seit fünf Millionen Jahren. Mit 10.450 km² ist Big Island doppelt so groß wie alle anderen Inseln zusammen, jedoch besitzt sie weniger Strände. Die gleichzeitig größte Insel der Vereinigten Staaten bietet rund 170.000 Menschen ein zu Hause, das sind etwa 14% der Bevölkerung des Bundesstaates. Ihr Haupterwerb liegt im Tourismus, aber auch im Anbau von Bananen und Kona-Kaffee.
Big Island ist die vielseitigste Insel, hier finden man alle Landschaftsformen der gesamten Inselkette: Wüste und Regenwald, grün überwucherte Steilküsten und Kraterlandschaften, die beiden höchsten Berge der Welt (vom Bergfuß am Meeresgrund aus gemessen bringt es der Mauna Kea auf 10.000 Meter), riesige Rinderfarmen, ein aktiver Vulkan, sowie Strände mit weißem, schwarzen und wie man sagt- sogar grünem Sand.
Hilo ist die größte Stadt Big Islands. Durch zwei verheerende Tsunamis in den Jahren 1946 und 1960 und den Niedergang der Zuckerindustrie wurde Hilo immer mehr ins wirtschaftliche Abseits gedrängt. Der Tourismus auf Big Island dagegen gewann an Bedeutung, vor allem im sonnigeren Kona. Die 43.000 Einwohner Hilos dagegen sind Kummer gewohnt, hier regnet es an 278 Tagen im Jahr.

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Der „Volcanoes National Park“ erstreckt sich über eine Fläche von 1.300 km², fast 300 Kilometer Straßen und Wanderwege führen durch das Areal. Weil der Gasgehalt der hawaiianischen Lava sehr gering ist, kommt es praktisch nie zu gefährlichen Explosionen, sondern lediglich zu sanften Eruptionen. Das macht den Vulkan kalkulierbar und das Terrain für Touristen relativ sicher. Im Moment kommen aus dem Krater hier und dort kleine Rauch/Dampfwolken, so dass je nach Windrichtung und Intensität allenfalls mal eine Straße oder Region gesperrt ist, um das Einatmen giftiger Gase zu verhindern. Der Nationalpark wird jährlich von etwa 2 Millionen Touristen besucht. Sein Herzstück ist der riesige Kilauea-Krater.
Mitten im Nationalpark gründete Thomas A. Jaggar im Jahr 1912 das nach ihm benannte Observatorium, in dem er die meisten bekannten Methoden zur Vorhersage von Vulkanausbrüchen entwickelte. Auch heute noch befinden sich hier das internationale Zentrum der Vulkanforschung, sowie das Jaggar-Museum.
Einer hawaiianischen Legende zufolge soll Pele, die Göttin des Feuers, durch die Vereinigung von Himmel und Erde geboren worden sein. Vor ihrer eifersüchtigen Schwester, der Meeresgöttin, floh sie nach Big Island und fand im Kilauea-Krater ihre Heimat. Von hier spuckt sie manchmal Felsen und flüssige Lava, im Moment erzeugt sie nur Qualm. Man sagt, es bringe Unglück, Lavasteine vom Vulkan zu entfernen, weil er Teile von Peles Haar oder Fingernägeln enthalten könnte.

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Die Thurston-Lavaröhre ist eine der größten dieser Region. Lavaröhren entstehen, wenn ein Lavafluss an der Oberfläche zuerst erstarrt, aber im Inneren flüssig bleibt und weiterfließt. Versiegt schließlich der Strom, fließt die heiße Lava durch den Tunnel ab und es entsteht eine Lavaröhre. Oft stürzen die Decken dieser Tunnel schon nach kurzer Zeit ein, weil sie sehr dünn sind. Bei der Thurston Lava Tube ist sie jedoch so dick, dass für Touristen keine Gefahr besteht. Die Baumfarne vor und hinter dem Tunnel sollen die größten auf der nördlichen Erdhalbkugel sein.

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Der sonnige Kona District erstreckt sich über 96 km vom Kona International Airport bis zur Kealakekua Bay an der vulkanischen Westküste des Big Island. Kona ist vor allem durch seinen Kaffee bekannt geworden, er gilt als einer der besten und seltensten Kaffees der Welt. Im Kaufhaus Galéries Lafayette in Berlin kostet ein Kilo etwa 80 €. In Hawaii wird Kona Coffee in der Regel als „bottomless cup“ (Tasse ohne Boden), d.h. man hat sozusagen eine Kaffee-Flatrate und es wird nachgeschenkt, so oft man will.

Der berühmteste und spektakulärste Ironman findet seit 1978 auf der Insel Big Island statt, für Triathleten gibt es keine größere Herausforderung. Es gilt, die Distanzen von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2, km Marathon zu bewältigen.

Offizieller Startpunkt des Ironman

Offizieller Startpunkt des Ironman

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vollkommen egal, ob man Schloss Neuschwanstein, das Taj Mahal in Indien oder den Schiefen Turm von Pisa besucht, die asiatischen Touristen sind immer schon da. Der einzige mir bekannte Ort, wo das nicht der Fall ist, ist die Insel Kauai. Während kaum ein Zentraleuropäer das als schönste hawaiianische Insel geltende Kauai auslässt, besuchen es nur 3% der Japaner- warum, weiß kein Mensch.
Mit einer Gesamtfläche von 1.435 km² ist Kauai die viertgrößte Insel des Archipels und etwa doppelt so groß wie das Bundesland Hamburg. Derzeit hat Kauai etwa 57.000 Einwohner, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es hier fast jeden Tag regnet.
Höchster Berg ist der 1.598 m hohe Kawaikini. Daneben liegt die mit 1.569 m zweithöchste Erhebung der Insel, der Mount Waialeale, der mit 12.340 mm Niederschlag im Jahr den Rekord als regenreichster Punkt der gesamten Erde hält. Der Gipfel des Berges ist meistens nicht zu sehen, weil es dort fast immer regnet. Der viele Regen hat natürlich zur Folge, dass es fast überall auf der Insel herrlich grün ist, deshalb trägt Kauai auch den Beinamen „Garteninsel“.
Ohne es zu wissen, kennen viele Kinobesucher und Fernsehzuschauer die grüne Insel bereits. Immerhin wurden hier u. a. wesentliche Teile der Filme Jurassic Park, King Kong, Jäger des verlorenen Schatzes, Outbreak und Sechs Tage, Sieben Nächte hier gedreht.

Der Waimea Canyon wird auch Gand Canyon des Pazifiks genannt. Er entstand durch ein Erdbeben, das Kauai fast in zwei Hälften spaltete. Mit der Zeit trugen heftige Regenfälle dazu bei, die 915 Meter tiefe Schlucht auszuwaschen. Erosion findet hier nach wie vor statt, gelegentliche Erdrutsche vernichten immer wieder die Vegetation.

Mich beeindruckte hier vor allem unser Flug mit einem Hubschrauber, der sicher unvergessen bleiben wird.

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Ihren Namen „Na Pali“ erhielt die Nordküste Kauais nach dem hawaiianischen Wort „Pali“ für „Steinklippe“. Man muss diese steilen Klippen gesehen haben, um zu verstehen, warum sie den Beinamen „The most spectacular coastline of the world“ trägt. Nach Tausenden von Kilometern setzt die Na Pali Küste den Pazifikwellen den ersten nennenswerten Widerstand entgegen. Deshalb prallen hier die höchsten Wellen von ganz Hawaii an Land, im Winter können sie auch schon mal bis zu 19 Metern hoch sein.
Die Küste grenzt an die Reste der Zwillingsvulkane Waialeale und Kawaikini, deren 1.200 Meter hohen Gipfel meistens in dicken Regenwolken verschwinden.
Es gibt keine Straßen an der 27 km langen Küstenlinie, man kann sie also nur vom Wasser oder aus dem Hubschrauber bewundern.

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Und mit diesem spektakulären Anblick verabschiedeten wir uns von Hawaii.

Aloha!

 

 

 

 

 

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