La Réunion

Von der Insel La Réunion hatte ich zwar schon gehört, sie aber nie ernsthaft als Reiseziel in Erwägung gezogen. Durch die Begeisterung einer Bekannten neugierig geworden, schauten wir uns die Insel im Internet an und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um eine Art „Hawaii für Anfänger“ handelt.
Obwohl Réunion östlich von Afrika im Indischen Ozean liegt und jede Menge tropische Pflanzen beheimatet, entspricht sie nicht dem Klischee einer klassischen Tropeninsel. An den wenigen Stränden findet man kaum Palmen, sondern eher Filaosbäume, unter denen sich weniger Touristen als Einheimische erholen.

Rückblickend kann ich sagen, dass wir mit der Entscheidung, auf La Réunion unseren Urlaub zu verbringen, eine gute Wahl getroffen haben. Die Vielfalt der Insel, die Mischung aus europäischem und tropischem Flair, die abwechlsungsreiche Landschaft und vor allem das viele Grün, die unzähligen Blüten und die leuchtenden Farben haben mich begeistert. La Réunion bietet vieles, was man in Hawaii auf mehrere Inseln verteilt findet, komprimiert auf rund 2.500 km².
Auch die Insel Mauritius, die wir anschließend besucht haben, ist sicherlich sehenswert, hat es bei uns aber schwer, mit La Réunion mitzuhalten.

Die Maskarenen liegen ca. 850 km östlich von Madagaskar im Indischen Ozean. Zu ihnen gehören das französische Überseedépartement La Réunion, die Insel Mauritius und die zum Staat Mauritius gehörende Insel Rodrigues. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs.
La Réunion entstand vor etwa 3 Millionen Jahren, als der Vulkan Piton des Neiges aus dem Indischen Ozean aufstieg. Eine Vulkankette, deren höchste Gipfel der Piton des Neiges (3070 m) und der noch aktive Piton de la Fournaise (2631 m) sind, verläuft quer über die ganze Insel. Nachdem der Piton des Neiges erloschen war, stürzte er ein und erodierte zu drei Talkesseln, den sogenannten Cirques. Zwei davon, der Cirque de Salazie und der Cirque de Cilaos können mit dem Auto angefahren werden, der dritte – der Cirque de Mafate- ist nur aus der Luft oder zu Fuß erreichbar.
Auf La Réunion gibt es nur zwei Jahreszeiten- Sommer und Winter. Die Winter (Mai bis Oktober) sind mild und trocken und die Sommer etwas wärmer und deutlich feuchter. Die Temperaturen zwischen Tag und Nacht unterscheiden sich um etwa 7-8 Grad, die zwischen Sommer und Winter um etwa 6 Grad. Die Durchschnittstemperatur im Winter liegt bei 21, die im Sommer bei 28 Grad.
An keinem Ort der Erde fällt innerhalb eines oder weniger Tage mehr Regen als auf La Réunion. 2007 wurden innerhalb von drei Tagen 3929 mm Regen gemessen, ein Weltrekord! Zum Vergleich: Österreich hat einen durchschnittlichen Jahresniederschlag von rund 1170 mm und Deutschland von etwa 700 mm. Trotz der hohen Niederschlagsmenge scheint auf Réunion die Sonne im Mittel 2000 Stunden im Jahr.
Etwa zehn Zyklone im Jahr treffen die Insel, sie treten üblicherweise zwischen Dezember und April auf und erreichen teilweise eine Geschwindigkeit von 300 km/h.
Auf Réunion leben ca. 800.000 Menschen, darunter Afrikaner, Franzosen, Malageser, Chinesen und Inder. Die Bewohner gehören zu 95% der römisch-katholischen Kirche an, der Rest verteilt sich zu etwa gleichen Teilen auf Hindus, Muslime und Buddhisten.
Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Sie beläuft sich auf mehr als 30 % und stellt damit die höchste Arbeitslosenzahl Frankreichs dar. Immerhin konnte sie in den letzten 10 Jahren um 10% gesenkt werden.
Für den Anbau von Obst und Gemüse herrscht hier ein ideales Klima, jedoch ist der Zucker mit 65% immer noch der Exportartikel Nr. 1
Der größte Teil der Insel ist gebirgig und somit als Land unbrauchbar. Ein gutes Drittel ist bewaldet, ein Viertel liegt als Heideland brach und wenn man den besiedelten Raum noch abzieht, bleiben ganze 60.000 ha, die landwirtschaftlich genutzt werden können. Andere Exportartikel wie Ananas oder Litschis gibt es wegen der hohen Transportkosten und der schnellen Verderblichkeit kaum. Die berühmte Bourbon-Vanille bekam durch die Billiglohnkonkurrenz der Dritten Welt Absatzschwierigkeiten.
Und wie kommt die Bourbon-Vanille an ihren Namen? Bis 1794 hieß die Insel „Île Bourbon“, unter Napoleon trug sie bis 1810 den Namen“ Île Bonaparte“, dann erneut „ Île Bourbon“, bis sie 1848 schließlich den heutigen Namen „La Réunion“ erhielt.
Und nun ahnt man natürlich, dass die Insel der Namensgeber für die Bourbon-Vanille ist. Die ersten Setzlinge gelangten Anfang des 19. Jahrhunderts auf die Île Bourbon und gediehen im feucht-warmen Klima prächtig. Jedoch kam man erst 20 Jahre später, nämlich 1840 darauf, dass die Pflanze auch Schoten ausbilden kann. Auf der Insel fehlten Kolibris und geeignete Insekten, die die Blüten, die zur Familie der Orchideen gehört, zu befruchten. Aus Ärger über seinen Herrn zerdrückte ein Sklave die Blüten der Plantage in der Hoffnung, dass sie eingingen. Das ging jedoch voll in die Hose, weil durch diesen Zufall eine Befruchtung stattfand und die Pflanzen die berühmten Schoten bildeten. Und so eröffnete sich der Landwirtschaft ein vollkommen neues Produktionsfeld. Auch heute noch werden die Dolden von Hand bestäubt.
La Réunion hat etwa 726.000 Einwohner, davon etwa 45% Schwarzafrikaner, 28% Inder, 15% weiße Kreolen, 6% Europäer und 3% Chinesen. Es gibt rund 300.000 Autos auf der Insel. Sollten diese alle auf der Straße sein, ergäbe das eine Schlange von 112 km, also der halbe Inselumfang.
Ein heißer Tipp: Wer das erleben möchte, sollte sich morgens ab 8.30 Uhr auf den Weg machen.