Prag

Prag ist die Hauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt der Tschechischen Republik. Hier leben etwa 1,2 Millionen Menschen, das ist weit über ein Zehntel der Gesamtbevölkerung des Landes. Die Mehrheit verteilt sich allerdings auf die zahlreichen Außenbezirke und auf die Neubaugebiete an den Stadträndern. Die historische Innenstadt hat lediglich etwa 40.000 Einwohner. Ein Großteil Prags liegt in einem weiten Tal der Moldau, die das Stadtgebiet auf 30 Kilometern Länge durchfließt.

Als eine der ältesten und größten Städte in Mitteleuropa, die von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben ist, ist Prag heute ein touristisches Ziel von großer Bedeutung. Seit 1992 zählt das historische Zentrum von Prag zum Unesco-Welterbe.

Blick auf die Altstadt

Was in Paris die Bistros und in Wien die Kaffeehäuser, sind in Prag die Bierstuben. Bohumil Hrabal, ein tschechischer Literat, äußerte 1997 „Wo andere Städte Grundwasser haben, hat Prag Bier“ und man sagt, dass man in Tschechien nicht zum Essen trinkt, sondern zum Getränk isst.

Und das, was man zum Bier zu sich nimmt, ist in der Regel fleischig, deftig, kloßig und soßig. In manchen böhmischen Restaurants haben sich die Rezepte seit Jahrzehnten nicht verändert und stammen aus der Zeit des Sozialismus. Damals wurde staatlich festgelegt, wie zu kochen war, um die Katalogisierung der Restaurants zu gewährleisten. An frisches Gemüse und Salate gewöhnt sich der gemeine Tscheche nur langsam und dass Fett nicht das Maß aller Dinge ist, spricht sich nur langsam herum. Vegetarier haben es schwer in dem Land, dessen durchschnittlicher Fleischkonsum zu den höchsten der Welt zählt.

Nach wenigen Stunden in Prag stellte ich mir die Frage, warum die tschechische Hauptstadt „Goldenes Prag“ genannt wird. Offensichtlich streiten sich hier die Gelehrten. Verdankt die Stadt ihren Namen Karel Gott, der „Goldenen Stimme“ Prags, liegt es an den Hausfassaden, die im Abendlicht golden leuchten oder daran, dass die Stadt viele Touristen anzieht, die hier ihr Geld verprassen? Liegt die Ursache in der Farbe des Bieres oder bei den Alchemisten, die versuchten, Gold herzustellen? Sind es die gelben Taxis oder die Souvenirhändler, die sich an den Touristen eine goldene Nase verdienen?

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Kaiser Karl IV. (1316-1378) Prag den Namen „Goldene Stadt“ gegeben hat. Aber der Kaiser war gebürtiger Prager, hat sein Leben lang nur hier gewohnt und starb auch hier. Hätte er in Wattenscheid-Eppendorf gelebt, wäre vermutlich Wattenscheid-Eppendorf die goldene Stadt.

Lassen wir diese Frage also unbeantwortet im Raum stehen und genießen wir den Anblick dieser farbenfrohen Stadt, in der man suchen muss, um etwas Goldenes zu finden.

Blick auf die Karlsbrücke

Die Karlsbrücke

Die Karlsbrücke ist eine steinerne gotische Brücke, die die Altstadt Prags mit der Kleinseite verbindet. Sie ist die älteste erhaltene Brücke über der Moldau und eine der ältesten Steinbrücken Europas.Vor ihr stand die „Judithbrücke“ an ihrer Stelle, die 1170 als hölzerne Konstruktion errichtet und nach einem Hochwasser 1158 durch eine Steinbrücke ersetzt worden war. Auch diese wurde durch ein Hochwasser zerstört und so begannen 1357 die Arbeiten an der heutigen Karlsbrücke. Ihren Namen erhielt sie nach ihrem Initiator Kaiser Karl IV.Mit dem Bau der 500 Meter langen und 10 Meter breiten Brücke wurde Peter Parler beauftragt. Doch weder er, noch Karl IV. erlebten die Fertigstellung des Baus. Über 100 Jahre wurde daran gearbeitet. Vorbild für Parler war die Regensburger Donaubrücke, die als älteste Europas gilt.Entscheidend dafür, dass die Brücke bis heute steht und nicht ebenfalls von den Gewalten des Flusses zerstört wurde, sollen die Pfeiler mit Vorwerken sein, die als Eisbrecher dienten.Aber es gibt noch eine weitere Erklärung für die Widerstandskraft: Schon lange hält sich die Legende, dass Kaiser Karl beim Bau angeordnet hatte, Eier aus dem ganzen Land nach Prag zu schaffen. Das Eiweiß sollte die Standfestigkeit des Mörtels erhöhen.Zum Gespött der Bevölkerung machten sich die Bewohner von Ratkovnic, die ihre Eier kochten, damit sie den Transport unbeschadet überstanden.Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 2008 stellten Wissenschaftler der Chemisch-Technologischen Hochschule Prag fest, dass der Mörtel tatsächlich ein proteinhaltiges Bindemittel enthält, das fast ausschließlich aus Eiern oder Milchprodukten gewonnen wird.Sanierungsarbeiten finden seit 1965 ständig statt, die Kosten belaufen sich bisher auf etwa 50 Millionen Euro. Straßenbahnen durften nur bis 1950 über die Brücke fahren, für Fußgänger ist sie seit 1965 gesperrt.

Im Jahr 1683 wurde die erste Statue auf der Brücke aufgestellt. Es handelte sich um die des Heiligen Johannes von Nepomuk. Er war seit 1389 Generalvikar des Prager Erzbischofs. Einer Legende nach soll Nepomuk 1393 auf Befehl Wenzels IV. von dieser Brücke in die Moldau geworfen worden sein. Er hatte sich angeblich auf das Beichtgeheimnis berufen und wollte dem König die Inhalte der Beichten seiner Frau nicht verraten.

Inzwischen säumen 30 Statuen die Brüstung. Interessant ist auch die Dreiergruppe, bestehend aus dem bärtigen Heiligen Iwan, dem ersten böhmischen Einsiedler, dem Heiligen Johannes von Matha, der nach Kleinasien zog, um dort zu missionieren und Felix von Valois, dem Mitbegründer des Trinitarierordens. Die Prager fragen sich bis heute, warum Ferdinand Brokoff diese Statuen 1714 miteinander verband, da sie absolut nichts miteinander zu tun hatten.

Inzwischen wurden die meisten Statuen durch Repliken ersetzt, die Originale befinden sich im Nationalmuseum.

Blick von der Karlsbrücke auf den Veitsdom

Prager Burg

Mit einer Fläche von 7,28 ha ist die Prager Burg die größte der Welt und das wichtigste nationale Kulturdenkmal der Tschechischen Republik. Hinter der kühlen, neoklassizistischen Fassade erheben sich die Türme des Veitsdoms.

Die erste Burg wurde an dieser Stelle im Jahr 870 errichtet und war nur ein wenig größer als eine massive Holzhütte. Sie wuchs zu einer Verteidigungsanlage mit gigantischen Holzpfählen, Erdwällen und Wassergräben heran, die im 11. Jahrhundert durch Steinbefestigungen ersetzt wurden.

1598 wurde die Burg (Hrad) nach der Altstadt und der Neustadt offiziell zu Prags drittem Stadtbezirk. Zu ihm gehörten Paläste, Kirchen, Kapellen, Gärten, Adelshäuser, Ateliers und Werkstätten.

Prager Burg

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde die Burg verlassen. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ Kaiserin Maria Theresia die durch die preußische Belagerung zerstörten Gebäude wieder errichten und mit einer einheitlichen Fassade versehen. Die pragmatische Herrscherin hatte für überflüssigen Schnick-Schnack keinen Sinn und so präsentiert sich die Burg heute nicht wie ein barockes Königsschloss, sondern eher wie ein Kasernenhof.

Prager Burg

Veitsdom

Nachdem Karl IV. den Papst überredet hatte, Prag den Status eines Erzbistums zu verleihen, wurde im Jahr 1344 mit dem Bau eines repräsentativen Gotteshauses begonnen. Damit war der Grundstein für den Veitsdom gelegt, einer dreischiffigen Basilika, deren Türme mit ihren annähernd 100 Metern die Stadt überragen und schon von weitem sichtbar sind.

Aber auch sonst ist die Kirche ein Bau der Superlative. Sie ist die größte Kirche Prags und Tschechiens und besitzt sowohl die größte Glocke (17 t), als auch die größte Orgel (6.500 Pfeifen) des Landes.

Veitsdom

Der Bau des Doms dauerte nahezu 600 Jahre, die Architekten kamen aus Frankreich, Deutschland und Österreich. Die Baumeister hielten sich strikt an die Originalpläne aus dem 14. Jahrhundert. Fertig gestellt wurde die Kirche offiziell 1929 anlässlich des 1000. Todestages des Heiligen Wenzel, dessen Grabmal sich in einer Kapelle des Gotteshauses befindet.

Kloster Strahov

Der Name des Klosters stammt von „strahovat“, was „bewachen“ heißt. Als das Kloster 1140 gebaut wurde, war hier an den Straßen nach Karlsburg und Pilsen die Stadt zu Ende. Und so musste man sich nicht nur vor fremden Heeren, sondern auch vor Wölfen schützen, die in strengen Wintern aus den dichten Wäldern in die Stadt kamen. Von den ursprünglich gotischen und romanischen Bauten des Klosters ist heute nichts mehr erhalten. Dazu wurde hier zu oft gekämpft und dafür brannte es hier zu oft. Die heutigen Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Seit 1990 ist das Kloster wieder in Besitz des Prämonstratenserordens (es ist keine Schande, wenn man den Namen zwei Mal lesen muss). Die Blütezeit dieses Ordens ist inzwischen vorüber. Im Mittelalter war er dagegen sehr populär und nahm eine zentrale Rolle bei der Christianisierung des Landes ein.

Der Name des Ordens stammt von dessen erstem Kloster im Tal Prémontré in Frankreich. Hier wurde Norbert von Xanten im Jahr 1115 vom Blitz getroffen, fiel vom Pferd und eine Stimme flüsterte ihm zu, er solle mit der Hurerei aufhören und endlich was Anständiges machen. Norbert machte sich die Entscheidung nicht leicht und ließ sich diesen Vorschlag lange durch den Kopf gehen. Etwa fünf Jahre später gründete er das Kloster.

Das Schwesternkloster in Prag entstand im Jahr 1140. Seit 1627 befinden sich die sterblichen Überreste Norberts in der Abteikirche Maria Himmelfahrt. Sie ist zugleich die größte Kirche des Klosters. Leider war sie für Besucher gesperrt, als wir dort  waren.

Kloster Strahov

Übrigens liegt in der Klosterkirche auch der kaiserliche Feldmarschall Graf zu Pappenheim begraben. Seine Popularität verdankt er Friedrich Schiller, der ihm im „Wallenstein“ die geflügelten Worte „Ich kenne meine Pappenheimer“ in den Mund legte.

Blick von Kloster Strahov auf den Veitsdom

...und die Kleinseite

Georgsbasilika

Die Georgsbasilika auf dem Hradschin ist der bedeutendste und schönste romanische Sakralbau Prags und gleichzeitig die zweitälteste Kirche der Stadt. Bereits im Jahr 925 wurde die Basilika, in der heute keine Gottesdienste mehr stattfinden, der Fürstin Ludmilla geweiht.

Das Schwiegertochter/Schwiegermutterproblem scheint deutlich älter als man meint, denn Ludmilla wurde als erste Märtyrerin Böhmens heiliggesprochen, nachdem ihre Schwiegertochter sie wegen Machtstreitigkeiten mit einem Schleier erdrosselt hatte. Die sterblichen Überreste befinden sich in der Basilika, neben weiteren Fürsten, die hier begraben liegen.

Georgsbasilika

Ihr heutiges Aussehen erhielt das Gotteshaus nach einem Brand im Jahr 1142. Damals wurden auch die beiden schlanken weißen Osttürme gebaut.

Loreto

Auch um das Loreto-Heiligtum rankt sich eine Geschichte. Sie erzählt vom Wunder der Santa Casa, dem Haus der Jungfrau Maria. Um es vor den Sarazenen in Sicherheit zu bringen, wurde es Ende des 13. Jh. von Engeln ausgeflogen und gelangte auf Umwegen in einen italienischen Lorbeerhain bei Ancona. Dort entwickelte es sich zu einem berühmten Wallfahrtsort, der Loreto genannt wurde. Später kam man auf die Idee, überall dort, wo der Glauben ein wenig Nachhilfe benötigte, eine Kopie zu schaffen. So entstanden immer mehr Loreto-Heiligtümer, das in Prag wurde zwischen 1626 und 1631 gebaut. Sie alle sind komplette Nachbauten der Kirche in Ancona. Die Fahrt dorthin kann man sich also sparen, denn hat man eine gesehen, hat man alle gesehen.

Die Loreto in Prag ist durch einen Brückengang mit dem Klostergebäude des Kapuzinerordens verbunden. Dieses wurde während des Zweiten Weltkrieges von der SS als Gefängnis genutzt. Erst 1990 bekam der Orden das Kloster zurück.

Loreto

Palais Schwarzenberg

Direkt neben der Burg erhebt sich das von 1545-1563 errichtete Palais Schwarzenberg. Vier Jahre vor Baubeginn hatte ein Stadtbrand den größten Teil des Hradschin zerstört. Die böhmische Adelsfamilie von Lobkowitz ließ an der Stelle mit dem besten Blick auf das Moldautal ihre dreiflügelige Stadtresidenz errichten.

Als eines der ersten Gebäude in Prag wurde es im Stil der italienischen Renaissance erbaut. Die Fassade wurde mit schwarzen Sgraffiti (Kratzputz) bemalt. Typisch böhmisch ist dagegen der Sockel, deren in verschiedenfarbigem Putz gezeichnete Rechtecke mit etwas Fantasie wie Diamanten aussehen sollen. Heute ist in dem Palais das Kriegshistorische Museum untergebracht.

Palais Schwarzenberg

Altstädter Ring

Man sagt, der Altstädter Ring sei der schönste Platz Tschechiens. Um den zentralen Marktplatz mit einer Größe von 9.000 m² herum gruppieren sich neben den prächtigen Barock- und Renaissancebauten einige der schönsten Sehenswürdigkeiten Prags. In der Mitte des Platzes steht das Jan-Hus-Denkmal, das 1915 zum 500. Todestag des Reformators errichtet wurde. Dieser war 1415 wegen seiner Schriften und Anschuldigungen gegenüber der katholischen Kirche als Ketzer verurteilt und verbrannt worden. Daraufhin brachen in Prag Unruhen aus, die zum 1. Prager Fenstersturz und zu den Hussitenkriegen führten.

Während der Marktplatz heute einer der Hauptanziehungspunkte für Touristen ist, ging es hier früher weniger lustig zu, denn zu der Zeit des Fenstersturzes fanden hier die Hinrichtungen statt.

Häuserzeile am Altstädter Ring

Altstädter Rathaus

Die Geschichte des Altstädter Rathauses begann 1338, als König Johannes von Luxemburg den Altstädter Bürgern das Recht erteilte, ein eigenes Haus zur Verwaltung ihrer Angelegenheiten zu errichten. Aus Geldmangel verzichteten die Bürger auf den Bau und kauften stattdessen ein altes Gebäude. Dieses wurde jedoch bald zu klein und so erwarb man nach und nach weitere Gebäude hinzu, bis das Rathaus aus einer ganzen Häuserreihe bestand.

Im Zweiten Weltkrieg gehörte der Rathauskomplex zu den wenigen Bauwerken Prags, die Beschädigungen davontrugen, aber er wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Heute hat die Stadtverwaltung ihren Sitz nur wenige Hundert Meter entfernt am Marienplatz, ausschließlich das Standesamt befindet sich noch in dem historischen Rathaus.

Altstädter Rathaus

Die  Hauptattraktion des Altstädter Rathauses ist die Astronomische Uhr. Zu jeder vollen Stunde versammelt sich hier eine Menschentraube, um dem Spektakel beizuwohnen. Auch bei Taschendieben sind die vollen Stunden sehr beliebt; die Polizei hat hier täglich mehrere Einsätze.

Der Aufbau der Uhr ist ungewöhnlich. Unterhalb des Figurenspiels zeigt eine goldene Hand auf dem äußeren Ring mit den arabischen Ziffern die altböhmische Zeit an, bei der der Tag mit dem Sonnenuntergang endet. Der kleinere innere Kreis steht für die Tierkreiszeichen, der farbige Hintergrund für Tag und Nacht. Darunter sieht man das Kalendarium.

Zu jeder vollen Stunde zieht der Tod – als Skelett dargestellt – an einem Seil und dreht das Stundenglas herum. Daraufhin öffnen sich zwei Fenster und von Petrus angeführt, wandern die zwölf Apostel vorbei. Zum Schluss des mechanischen Schauspiels kräht der goldene Hahn.

Die Astronomische Uhr stand im Laufe ihrer Geschichte immer mal wieder für längere Zeit still, teilweise sogar einmal über 100 Jahre.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Meister Hanus, der Erbauer dieser ungewöhnlichen Uhr soll von den Stadtvätern geblendet worden sein, um keiner anderen Stadt eine solche Uhr an deren Rathaus basteln zu können. Hanus dachte sich eine üble Rache aus. Kurz vor seinem Tod ließ er sich auf den Uhrenturm bringen und steckte seine Finger in das Uhrwerk. Die Finger überstanden das, nicht aber dagegen die Uhr. Sie blieb stehen und konnte ewig lang nicht wieder in Gang gesetzt werden. Es ist historisch belegt, dass sogar ein renommierter Nürnberger Uhrmacher im 16. Jahrhundert nicht in der Lage war, den komplizierten Mechanismus zum Laufen zu bringen.

Astronomische Uhr

Teynkirche

Mit dem Bau der gotischen Teynkirche, deren voller Name „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“ lautet, wurde 1365 begonnen. Wegen der Hussitenkriege lag der unfertige Bau ein Jahrhundert brach. Und so wurde das Gotteshaus erst im Jahr 1511 fertig gestellt. Da es nach dem Krieg an Geld und Material mangelte, geriet der Südturm  mickriger als sein vor dem Krieg gebautes nördliches Pendant.

Der vom Markt aus gesehen rechte Turm ist der dickere, der im Volksmund „Adam“ genannt wird, der linke heißt „Eva“. In den Sommermonaten spendet Adam Eva Schatten, deshalb diente Eva im Mittelalter als Lager für leicht verderbliche Lebensmittel.

Die Teynkirche war während der Hussitenkriege das Gotteshaus der ausländischen Kaufleute und das Zentrum der Altstädter Hussiten, worüber die Katholiken natürlich sehr erbost waren. Als das gotische Bauwerk nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder in ihre Hände fiel, zahlten sie es den Hussiten heim, indem sie deren Wahrzeichen, den Kelch am Hauptgiebel, einschmolzen. Aus dem Gold ließen sie einen Strahlenkranz für die Jungfrau Maria formen, der noch heute an der Kirche hängt.

Teynkirche

St. Nikolaus Kirche am Altstädter Platz

Am Altstädter Marktplatz, in der Nähe des Jan- Hus- Denkmals, befindet sich die von Vater und Sohn Dietzenhofer von 1732-1737 erbaute Barockkirche St. Nikolaus. Als Inspiration diente der Invalidendom in Paris. Die Fassade der Kirche ist strahlend weiß und das Dach aus Kupfer, das sich durch Oxidierung grün gefärbt hat.

Die ursprünglich benediktinische Kirche wurde 1868 an die Russische Orthodoxe Kirche vermietet. Im Januar 1920 wurde hier die Tschechoslowakische Hussitenkirche gegründet, die bis heute den Barockbau als ihre Hauptkirche benutzt. Während des Zweiten Weltkriegs versteckten sich hier angebliche Künstler, die die angekündigten Renovierungsarbeiten aber nie vollendeten.

Heute finden in der St. Nikolaus-Kirche täglich Konzerte bekannter Künstler und Orchester statt.

St. Nikolaus-Kirche

Haus „Zur Minute“

Das spätgotische, Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute mehrstöckige Haus „Zur Minute“ fällt durch seine einzigartige, gut erhaltene Sgraffiti-Verzierung auf.

Die Kratzputzarbeiten stellen Motive aus biblischen und mythologischen Geschichten dar, aber auch Themen damaliger Renaissancelegenden. In den Jahren 1889-1896 lebte Franz Kafka mit seinen Eltern in diesem Haus.

Haus "Zur Minute"

Pulverturm

Mit dem Bau des 65 Meter hohen Pulverturmes wurde 1475 begonnen. Er wurde aus Repräsentationsgründen errichtet und sollte dem Palast des Königs Vladislav II. größere Bedeutung verleihen. Als der König seine Residenz 1484 von der Altstadt in die Burg verlegte, wurde der Turm nicht mehr benötigt und die Bauarbeiten vorübergehend eingestellt. Er erhielt ein provisorisches Dach und diente der Lagerung von Schießpulver.

Erst 1875 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen und der Turm in seiner heutigen Form 1886 fertig gestellt.

Pulverturm

Tanzendes Haus

Das Gebäude eines niederländischen Versicherungskonzerns erregt durch seine ungewöhnliche Form großes Aufsehen und rief bei seinem Bau (1992-1995) eine Welle der Empörung hervor. Den Entwurf für das direkt an der Moldau stehende  Haus lieferte der kanadische Architekt Frank Owen Gehry.

Das Gebäude, das eine Fläche von 5.400 Quadratmetern hat und aus Stahl, Glas und vorgefertigtem Beton mit Putzverkleidung errichtet wurde, wird seit seiner Fertigstellung „Tanzendes Haus“ genannt. Menschen mit mehr Phantasie als ich wollen in der teilweise geschwungenen Fassade die Tänzer Ginger Rogers und Fred Astaire erkannt haben.

In Wirklichkeit hatte Architekt Gehry sich eher instinktiv für eine Struktur entschieden, die geneigt und schmal in der Taille ist und auf diese Weise auch den dahinter liegenden Gebäuden den Blick auf die Moldau frei lässt.

Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf 9 Millionen Dollar. Wegen der hohen Mieten standen einige Büros jahrelang leer. Heute sind sie weitgehend vermietet und in der obersten Etage  befindet sich ein Restaurant mit einem herrlichen Panoramablick auf die Stadt.

Tanzendes Haus

Die Fenster sollen nach der Vorstellung des Planers nicht als einfache Formen auf einer ebenen Fläche wahrgenommen werden, sondern den Effekt der Dreidimensionalität verleihen. Und so kam dem Architekten die Idee der wie Bilderrahmen vorstehenden Fensterrahmen.

Eine eindrucksvolle Zeit in Prag ist zu Ende und der Tag verabschiedet sich….

….golden 😉

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