Israel

Den Wunsch, Israel zu bereisen, hatte ich schon lange. Handelt es sich doch um das Land, das mich in irgendeiner Form von Kindheit an beschäftigte. Während meiner katholisch geprägten Kindheit war Israel häufig im Gespräch. Im Religionsunterricht, bei den sonntäglichen Kirchgängen und dem Kommunionunterricht waren Jesus und sein Leben in Israel ständig präsent. Über Bethlehem, Nazareth, Jerusalem und Tiberias wusste ich vermutlich besser Bescheid als über jedes einzelne deutsche Bundesland.

In meiner Jugend dagegen verbrachte ich mehr Zeit mit einem anderen bekannten Israeliten- mit dem Satiriker Ephraim Kishon und seiner „Besten Ehefrau von allen“. Ich hörte die israelischen Sängerinnen Daliah Lavi und Ester Ofarim und verbog Gabeln mit Uri Geller.

Als junge Erwachsene und bis heute verfolgte ich die politischen Ereignisse in Israel mit großem Interesse. Von keinem anderen Land sind mir so viele Namen geläufig wie von israelischen Politikern. Kaum eine Woche verging, ohne dass es etwas von David Ben Gurion, Ariel Scharon, Itzak Rabin, Menachem Begin, Golda Meir, Schimon Peres und Benjamin Netanjahu zu berichten gab.

Und so war es irgendwie längst überfällig, eine Reise nach Israel zu unternehmen.
Die Reiseroute, die Unterkünfte und das Wetter waren ideal, unser Reiseleiter Baruch hatte ein fundiertes Wissen, das er kurzweilig an die Touristen bringen konnte. Wenn auch nicht jeder mit seiner speziellen Art zurechtkam, denn Baruch konnte seine Vergangenheit beim israelischen Militär leider nicht leugnen.
Alles in allem hatten wir eine tolle Woche im Heiligen Land und kamen vollgestopft mit unzähligen Eindrücken und noch mehr Bildern wieder nach Hause.

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Blick vom Tempelberg über den jüdischen Friedhof auf Jerusalem

Der kleine, vorderasische Staat Israel ist gerade einmal so groß wie das Bundesland Hessen und grenzt an den Libanon, Syrien, Jordanien, das Westjordanland, Ägypten und den Gazastreifen. Im Westen bildet das Mittelmeer die Grenze. Aufgrund der Lage auf einer Landbrücke zwischen Asien und Afrika, zählt Israel geografisch zu Vorderasien, geologisch jedoch zu Afrika, da es auf der afrikanischen Kontinentalplatte liegt.

Israel ist der einzige Staat der Welt, in dem Juden eine Bevölkerungsmehrheit bilden. Von den etwa 8 Millionen Einwohnern des Landes sind etwa 75% Juden, 20% Muslime und nur 2,3% Christen.
Das Streben, ein Land für das Volk Israel, wo es in Frieden leben kann zu schaffen, führte 1948 zur Gründung und Unabhängigkeitserklärung des somit noch sehr jungen Landes Israel.

Mit dem Frieden klappt es jedoch nicht so wirklich, denn seit Jahrzehnten findet Israel immer wieder Erwähnung in den Medien. Man gewinnt den Eindruck, Israel und Palästina befänden sich permanent am Rand eines Krieges, es wird von rassistischen Vorfällen und Bombendrohungen berichtet, Stacheldrähte und Mauern beherrschen die Nachrichten. Und dabei findet man hier die Stätten und Wurzeln des Christentums. Wir befinden uns im „Heiligen Land“, hier wurden die Grundlagen für unser abendländisches Denken und unser Wertesystem gelegt.
Jedoch liegt der Reiz des Landes nicht nur in Jerusalem, Bethlehem oder Nazareth, sondern auch in den Begegnungen mit Israelis und Palästinensern, in den immerhin drei Meeren, der Negev-Wüste oder dem Leben in unzähligen Kibbuzim.
Die Hauptstadt Tel Aviv wird ganz selbstbewusst „Big Orange“ genannt, in Anlehnung an den „Big Apple“ für New York. Eine Übereinstimmung gibt es auf jeden Fall, denn mit Einwohnern aus über 140 Ländern ist Tel Aviv die kosmopolitische und schillernde Metropole Israels.

Viele Geschichten des Alten Testamentes spielen in Ägypten, auf dem Sinai oder im „Land Kanaan“, das ungefähr der Fläche des heutigen Staates Israel entspricht. Das Leben Jesu, also die Schauplätze des Neuen Testamentes, spielte sich in einem relativ begrenzten geographischen Gebiet ab. Jesus wurde in Bethlehem geboren, wuchs in Nazareth auf und wurde im Jordan bei Jericho getauft. Die meisten seiner öffentlichen Auftritte fanden am See Genezareth statt. Hier predigte er, erzählte Gleichnisse und vollbrachte Wunder. Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt fanden in Jerusalem statt. An den Stellen seines Schaffens entstanden Kirchen, Kapellen und Heiligtümer. Einige Stätten erheben Anspruch auf Authentizität, doch nur weniges ist tatsächlich nachgewiesen.

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Blick auf Tel Aviv

Jaffa ist eine der ältesten Ansiedlungen der Welt und wird nachweislich seit dem 5. Jh. v. Chr. bewohnt. Einer jüdischen Überlieferung nach soll der Gründer Noahs Sohn Japhet gewesen sein. Nach der Flut fand er in der Bucht den Hügel mit Blick aufs Meer und nannte ihn „yafo“ (schön).
Jahrhunderte später schien die Jaffa dem Verfall geweiht und machte Schlagzeilen wegen seiner hohen Kriminalitäts- und Prostitutionsrate. In den 1960-er Jahren beschlossen Tel Avivs Stadtväter, Jaffa zu neuem Glanz zu verhelfen. Heute findet man in den mittelalterlichen Gassen unzählige Galerien und Atelies, Restaurants und trendige Bars.
Wenn man „Jaffa“ hört, denkt man spontan an Orangen, obwohl hier kaum Orangenbäume zu sehen sind. Dafür gibt es jedoch eine einfache Erklärung:
Der Name Jaffa stand als Verschiffungshafen auf allen aus Israel exportierten Apfelsinenkisten.

Jaffa

Jaffa

Eine zentrale Rolle spielt Jaffa im Buch des Propheten Jona (AT Jona 1,4), der von hier mit einem Schiff Gott entfliehen wollte. Doch dieser ließ „einen großen Wind aufs Meer kommen“ und es zog ein starkes Unwetter auf, das erst endete, als die Mannschaft Jona über Bord warf. Das fand Gott dann wohl doch zu brutal und schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang. In ihm verbrachte er drei Tage und drei Nächte, bis er bei Ashdod wieder ausgespien wurde.

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Haifa ist mit seinen 270.000 Einwohnern nach Tel Aviv und Jerusalem die drittgrößte Stadt des Landes und ist durch seinen Hafen Israels Tor zur Welt. Dieser war im Laufe der Jahrhunderte für viele Herrscher interessant, doch versank die Stadt nach den Schlachten mit den Kreuzrittern und dem Aufstieg Akkos erst einmal in Bedeutungslosigkeit. Das änderte sich schlagartig, als 1904 die Zugverbindung Damaskus – Haifa – Kairo in Betrieb genommen wurde. Heute werden in dem Naturhafen 90% der Im- und Exporte abgewickelt. Die Hightech-Branche Haifas genießt einen weltweit exzellenten Ruf. Die Israelis behaupten: „In Jerusalem wird gebetet, in Tel Aviv gefeiert und in Haifa gearbeitet“.

Der Großraum Haifa dehnt sich im Norden fast bis Akko aus und unterteilt sich in die Küstenansiedlung Shiqmona, das herrschaftliche Viertel Hadar und das noble Viertel mit seinen Villen und Luxushotels auf dem Berg Karmel. Der Karmel ist ein etwa 20 km langer, bis 546 m hoher Bergrücken, der die Bucht von Haifa im Südwesten begrenzt.
Vom Karmelgebirge hat man einen phantastischen Blick auf die gepflegten Gartenanlagen von Baha’i. Sie bestehen aus 19 übereinander liegenden Terrassen und sind in neun Kreisen wellenförmig um den Schrein des Baha’i angelegt. Die „Hängenden Gärten“ werden auch gern als 8. Weltwunder bezeichnet und breiten sich über einen Höhenunterschied von 250 Metern aus. Für den Aufbau des UNESCO Weltkulturerbes wurden fünfzehn Jahre und 250 Millionen US-Dollar benötigt, um sie dann ab 2001 für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Auf halber Höhe erhebt sich mit seiner goldenen Kuppel der Schrein des Bab (arab. Pforte), in dem der Religionsbegründer begraben ist.

image001Nach Jerusalem hat Akko die vollständigste und reizvollste Altstadt des Heiligen Landes. Die Ursprünge der Stadt reichen bis in die kanaanitische Zeit zurück. Nachdem die Kreuzfahrer 1099 Jerusalem eingenommen hatten, machten sie Akko zu ihrem Haupthafen und somit zum Verbindungsglied nach Europa. Sie umgaben die Stadt mit einer mächtigen Mauer, denen der Ort seinen Namen „St. Jean d’Acre“ verdankte. Nach dem Ende der Kreuzzüge blieb die Stadt längere Zeit verlassen. Erst im 17. Jahrhundert gewann sie wieder an Bedeutung, wurde ausgebaut und die Festungsanlage so verstärkt, dass selbst Napoleon 1799 daran scheiterte. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Akko seine Bedeutung durch die aufstrebenden Städte Haifa und Beirut.

Die heute zu sehenden, massiven Verteidigungsmauern, sind Nachbauten der Kreuzfahrermauer, von der nur Fragmente erhalten geblieben waren. Die heutige Stadt wurde auf den Trümmern der mittelalterlichen Festung erbaut. Das Straßenniveau der Kreuzfahrerzeit lag rund acht Meter unter dem heutigen. Bei Ausgrabungen wurden 2005 zahlreiche gut erhaltene Straßen und Bauwerke aus dem 12. Und 13. Jahrhundert gefunden, darunter einige gotische Rittersäle. Unterirdische Gänge verbinden die einzelnen Gebäude. Bis heute wurden fast vollständig erhaltene Bereiche einer Kreuzritterstadt freigelegt. Gefunden wurden eine Kapelle, Straßen, Geschäfte, sowie ein Speisesaal. Von der gesamten Anlage sind nach Schätzungen bisher weniger als 10% ausgegraben, hier sollen etwa 10.000 Menschen gelebt haben.

Das wichtigste Gebäude innerhalb der Zitadelle stellt der Schatzturm dar, Akkos höchstes Gebäude, von dem man einen phantastischen Ausblick hat. Während der britischen Mandatszeit diente die Zitadelle als Zentralgefängnis, auch für politische Häftlinge. Juden sowie Araber wurden hier von den britischen Besatzern gefangen gehalten, viele wurden exekutiert. 1947 sprengten jüdische Untergrundkämpfer ein Stück Mauer genau zum Zeitpunkt des Hofganges und 200 Gefangene konnten entkommen.

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Die Idealvorstellung von der Lebensform der Zukunft hatte einen Namen: Kibbuz. Das hebräische Wort bedeutet „Gruppe“. Ein Kibbuz sollte eine Gemeinschaft von Gleichen sein, eine landwirtschaftliche Kooperative, die auf Privateigentum verzichtet, in der jeder gibt, was er kann, und bekommt, was er braucht. Es sollte keine Ausbeuter geben und keine Ausbeutung, keine Reichen und keine Armen.

Die Gründer der Kibbuzim sahen sich als Pioniere, die das Land aufbauten und zu einer besseren Welt beitrugen. Acht Prozent der Israelis lebten zur Zeit der Staatsgründung in Kibbuzim, heute sind nur noch drei Prozent der Bevölkerung.

Dieses Leben bedeutete vor allem zu verzichten. Anfangs gab es nur Verschläge ohne Wasser und Strom, in die kaum zwei Feldbetten passten. Gegessen wurde in einer spartanischen Kantine mit ebensolchem Essen. Die Duschen standen in Gemeinschaftsnasszellen. Den Abend verbrachten die Mitglieder, die Kibbuzniks, im Aufenthaltsraum. Bücher lieh man sich in der Bibliothek.

Die Gerechtigkeit bestand zunächst darin, dass alle arm waren. Die Kibbuzmitglieder besaßen nichts, nicht einmal das eigene Hemd- auch die Kleidung gehörte der Gemeinschaft.
Die Pioniere schrieben die Bedürfnisse nach Besitz, die sie noch verspürten, ihrer oft bürgerlichen Herkunft und Erziehung zu. Mit ihren Kindern aber sollte es einmal anders werden. Sie sollten und würden frei sein von Selbstsucht und Besitzanspruch, so glaubte man. Sie wuchsen in Kinderhäusern auf, auch die Kleinen gehörten der Gemeinschaft. Nur wenn sie alle gleich aufwüchsen, so die Überzeugung der ersten Generation, wenn sie dieselben Chancen hätten und von Anfang an lernten, dass „Wir“ wichtiger ist als „Ich“, konnte es eine gerechte Welt geben.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass diese Lebensform auch Probleme mit sich brachte, zumal die Mitglieder von der Welt isoliert aufwuchsen, die Eltern ihre Kinder kaum zu sehen bekamen. Man ging dazu über, die Kinder tagsüber in den Kinderhäusern zu betreuen und sie nachmittags von den Eltern abholen zu lassen.

Mit den Jahren haben viele Kibbutzim andere Wege gefunden, sie sind zwar zum größten Teil weiterhin autark, doch haben inzwischen in vielen Gegenden benachbarte Kibbutzim ihre Ressourcen zusammengelegt und regionale Industrieunternehmen gegründet, die z.B. Baumwollentkörnungsmaschinen, Speiseölraffinerien, Verpackungsanlagen und Betriebe zur Nahrungsmittelverarbeitung betreiben. Einzelnen Kibbutzim bieten auch anderen eine Reihe von Dienstleistungen – von der elektronischen Datenverarbeitung bis hin zum Großhandelseinkauf und der gemeinsamen Vermarktung — an.

Auch der Tourismus ist zu einem Wirtschaftszweig geworden. Heute stammen etwa 50% aller Kibbutzeinkünfte aus Industrie und Fremdenverkehr.

Die Gewinne werden nicht an die Mitglieder ausgeschüttet, sondern in Projekte für das Allgemeinwohl und zur weiteren Entwicklung der Wirtschaftszweige neu investiert. Aber in Kibbuzim wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gern gefeiert.
Das kulturelle Leben kommt nicht zu kurz- Orchester, Chöre, Tanz- und Theaterensembles sind nur einige Arten der professionellen Gruppen, die aus Kibbutzmitgliedern bestehen.

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Bei den Golanhöhen im geographischen und geologischen Sinne handelt es sich um ein Hochplateau vulkanischen Ursprungs zwischen dem See Genezareth und der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Fläche beträgt bei einer Länge von 60 km und einer Breite von 25 km insgesamt 1.150 km². Das fruchtbare Land grenzt zudem an Jordanien und den Libanon und hat nicht nur eine strategische Bedeutung, sondern bietet auch eine gute Aussicht in alle Himmelsrichtungen.

Wenn man von den Golan-Höhen hört, denkt man an einen Kriegsschauplatz. Die Besetzung des Golan im Sechstagekrieg 1967 und Syriens Versuch, im Oktoberkrieg 1973 sein südwestliches Gebiet zurückzuerobern -was damit endete, dass Israel sein Territorium nochmals erweitern konnte-, war zusammen mit der Einnahme Jerusalems die folgenreichste Eroberung, die Israel jemals gemacht hat. Bei den Verhandlungen um Frieden im Nahen Osten geht es primär um die Golan-Höhen. Syrien will erst verhandeln, wenn es den gesamten Golan zurück hat und Israel stellt einen Teilrückzug nur gegen gleichzeitigen Frieden und eine volle diplomatische Anerkennung in Aussicht.

Unser Reiseleiter vertrat die Meinung, Israel würde sich nichts vertun, dieses wertlose Stück Land an Syrien zurückzugeben. Deshalb waren wir überrascht, ein über viele Kilometer bewirtschaftetes und fruchtbares Plateau vorzufinden. Menachem Begin sorgte mit seiner konsequenten Besiedlungspolitik dafür, dass seit 1995 etwa 14.000 Siedler hier leben und arbeiten.

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Israels wichtigstes Süßwasserreservoir liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel und hat viele Namen.
Die Israelis nennen ihn „Kinnereth“, der hebräische Name kommt von „Kinnor“, was Harfe oder Leier bedeutet und sich auf die ungewöhnliche Form des Sees beziehen soll. Der bekannteste Name ist See Genezareth, aber man kennt ihn auch unter Galiläisches Meer, See von Tiberias oder Tiberiassee.

Der See ist etwa 21 Kilometer lang und bis zu 12 Kilometer breit und seine durchschnittliche Tiefe beträgt 45 Meter. Sein Wasser erhält er von dem an seinem Nordende eintretenden Jordan und von unterirdischen Quellen.

Vom Wasser des Sees sind nicht nur Israelis und Palästinenser abhängig, sondern seit dem Friedensabkommen 1994 auch die Jordanier und so sieht man mit großer Sorge das ständige Sinken des Pegels. Im Sommer kann der Wasserspiegel auch schon mal bis zu 1 cm täglich fallen. Fatal dabei ist, dass allein aus diesem Reservoir etwa ein Viertel des gesamten Trinkwassers stammt.
Am nordwestlichen Ufer befindet sich bei Ginnosar die Pumpstation, die das Wasser über Leitungen so weit nach oben pumpt, dass es in Galiäa in einem offenen Kanal weiter fließen kann. Dort wird es dann auf Trinkwasserqualität gebracht und über ein weit verzweigtes Rohrsystem bis in den nördlichen Teil der Negev-Wüste transportiert.

Um nicht komplett vom Wasser des Sees abhängig zu sein, versucht Israel durch Meerwasserentsalzungsanlagen, einen Großteil des benötigten Süßwassers aus dem Mittelmeer zu gewinnen. In Hadera, knapp 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv, wurde eine große Entsalzungsanlage eingeweiht. Es ist die dritte von fünf geplanten Anlagen entlang der Küste. Sie sollen langfristig zwei Drittel des Trinkwasserbedarfs decken.

Das Jordantal ist ein Teil des übergeordneten Großen Afrikanischen Grabenbruchs, der sich bis nach Ostafrika erstreckt. Aufgrund der starken Tektonik treten an verschiedenen Stellen heiße Quellen aus dem Boden, unter anderem bei Tiberias, Tabgha, Fuliya und Hamat Gader. Diese heißen Quellen machten den See schon in der Antike zu einem beliebten Erholungsziel.

Seit biblischer Zeit ist der See Genezareth bekannt für seinen Fischreichtum, viele von Jesu Jüngern waren hier als Fischer tätig. Jesus selbst predigte an den Ufern, hier vollbrachte er Wunder, heilte Kranke und lief über das Wasser. Im Jahr 1986 wurde bei einem extrem niedrigen Wasserstand ein Boot südlich des Kibbuz Ginosar gefunden. Man nimmt an, dass es aus der Zeit Jesu stammen könnte, Experten datierten es in die Zeit zwischen 100 v. Chr. bis 70 n. Chr.

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Zur Zeit Jesu war Kapernaum, an der nördlichen Seespitze gelegen, römische Grenzgarnison und ein lebendiger Fischerort, in dem sich Jesus, der Nazareth nach der Verhaftung Johannes verlassen hatte, niederließ. Während Nazareth ein abgelegenes Bergdorf war, lag Kapernaum an der Verbindungsstraße zum Süden des Landes. Zudem lag der Ort weit genug von der Hauptstadt Tiberias entfernt, wo Herodes residierte. So war es Jesus möglich, seine Botschaften unter vielen zu verbreiten, ohne sofort in Konflikt mit politischen und religiösen Oberhäuptern zu kommen.
In Kapernaum begegnete Jesus dem Fischer Petrus und der Platz, an dem sein Haus stand, wird heute „Heilige Insel“ genannt. Hier befindet sich seit 1990 eine von acht Säulen getragene Kirche. Sie schwebt über dem Haus des Fischers. Darunter sieht man die Mauerreste und Ausgrabungen. Die Vision des italienischen Architekten war, der Kirche die Form eines Fischerbootes aus Galiläa zu verleihen. Das hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die dortigen Fischerboote deutlich anders aussehen müssen, als die mir bekannten.
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Tabgha, am Nordufer des Sees Genezareth gelegen, ist eine viel besuchte Pilgerstätte und wegen seiner heißen Quellen bekannt. Für Pilger ist der Besuch der „Kirche der Brotvermehrung“, der „St. Peterskirche“ (auch Primatskapelle genannt) und der „Kirche der Seligpreisungen“, ein Muss.

Kurz vor dem Pessachfest fuhr Jesus mit seinen Jüngern über den See Genezareth, um dort mit ihnen ungestört zu sein. Doch das Volk zog ihnen nach und als es Abend wurde, wollte Jesus die 5.000 Menschen nicht hungrig nach Hause gehen lassen. Es gab allerdings nur fünf Brote und zwei Fische. Jesus segnete sie und die Jünger gaben allen so viel zu essen, bis sie satt waren. Die Reste wurden eingesammelt und ergaben immer noch 12 volle Körbe.
Diese Brot- und Fischevermehrung soll am Ostufer des Sees stattgefunden haben, aber weil die Anreise dort zu gefährlich war, wurde die Gedenkkirche im 5. Jh. von Pilgern kurzerhand an das zugänglichere Ostufer verlegt.

Die damals gebaute byzantinische Kirche wurde mit den schönsten Mosaiken ausgestattet, die teilweise heute noch erhalten sind.
Eines davon, vor dem Altar der modernen Kirche gelegen, zeigt die zwei Fische und den Korb mit den Broten. Unter dem Altar befindet sich ein Stück Naturstein, das traditionell als der Felsen verehrt wird, auf dem Jesus bei der Speisung die Brote und Fische legte.
Die heutige Kirche, die deutschen Benediktinern gehört, wurde 1936 fertiggestellt, seit 1956 befindet sich hier ein Kloster.

Brotvermerhungskirche

Brotvermehrungskirche

Innenhof

Innenhof

Altar mit Naturstein

Direkt am Seeufer errichteten Franziskaner im Jahr 1933 die St. Peter-Kirche. Vor dem Altar, der auf dem Platz der fünf Vorgängerkirchen erbaut wurde, erhebt sich aus dem Boden ein Fels, der der Tisch des Herrn sein soll, an dem Jesus mit den Jüngern gespeist hat.
Die Kapelle besteht aus schwarzem Basalt und steht an der Stelle, an der Jesus den Aposteln nach seiner Auferstehung erschienen sein soll.

St. Peter- Kirche

St. Peter- Kirche

 

 

 

 

 

 

 

Altar mit "Tisch des Herrn"

Altar mit „Tisch des Herrn“

Auf dem Hügel hinter der archäologischen Stätte, dem Berg der Seligpreisungen, steht die moderne, 1937 erbaute, Kirche der Seligpreisungen. Hier soll Jesus die theologisch zentrale Bergpredigt gehalten haben, die er mit den Worten begann: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“.
Entworfen hat diesen Kirchenbau der italienische Franziskaner-Mönch und Architekt Antonio Barluzzi (1884-1960) im Stil der Neorenaissance. Die Kirche der Seligpreisungen ist ein einstöckiger Sakralbau, der von einem achteckigen Zylinder mit Säulen umgeben ist und aus schwarzem Basalt und weißem Kalkgestein besteht. Über dem Haupttrakt erhebt sich die markante Kuppel; die achteckige Form soll an die acht Seligpreisungen erinnern. Von der Kirche aus hat man einen tollen Panoramablick auf den See Genezareth.

Kirche der Seligpreisungen

Kirche der Seligpreisungen

Auf dem Vorplatz der Kirche sind in zahlreichen gut erhaltenen Bodenmosaiken biblische Figuren des Alten und Neuen Testaments dargestellt.
Um die Kirche herum befindet sich ein schön angelegter, gepflegter Garten, in dem auf diversen Plattformen Gläubige Gottesdienste unter freiem Himmel abhalten können.

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Das auf einer Anhöhe zwischen Jordantal und der Jezreelebene gelegene Nazareth besteht aus zwei Teilen. Die Altstadt wird von christlichen und muslimischen Palästinensern bewohnt und birgt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Im Norden liegt die jüdische Schwesternstadt Nazareth-Illit, die 1957 im Zusammenhang mit dem Plan, ganz Galiläa zu besiedeln, gegründet wurde.
Als der Ort, in dem Jesus seine Kindheit verbracht hat, ist Nazareth für Israel-Reisende natürlich ein Muss. In Nazareth verkündete der Erzengel Gabriel die Geburt Jesu und nach Nazareth kehrte die Heilige Familie nach ihrer Flucht aus Ägypten zurück.

image021Von der Verkündigungskirche führt ein Fußweg hinauf zum Basarviertel mit der griechisch-katholischen Synagogenkirche. Hier soll Jesus als Kind lesen und schreiben gelernt und sich später den jüdischen Einwohnern als Messias gezeigt haben.

Die 1969 errichtete katholische Verkündigungskirche gehört zu den Hauptsehenswürdigkeiten Nazareths und ist die größte Kirche im gesamten Nahen Osten. Die hohen Kuppeltürme überragen die Stadt.
Die Basilika besteht aus zwei übereinander liegenden Kirchen, in die ältere Elemente aus der Zeit der Byzantiner und Kreuzfahrer einbezogen wurden. An dieser Stelle stand einst das Haus, in dem der Erzengel Gabriel die Geburt des Heilands ankündigte. Diese Stelle wird in der Grotte der 1,5 Meter tiefer liegenden Krypta vermutet. Bevor die Kirche in der heutigen Form gebaut wurde, standen an dieser Stelle im Laufe der Jahrhunderte fünf Gotteshäuser.

Der Sakralbau wird von einem ummauerten Vorhof umgeben. Der Kreuzgang ist verziert mit unzähligen Wandmosaiken- Geschenke aus vielen Ländern der Welt, die jeweils die Mutter Gottes nach ihren Vorstellungen abbilden.

Verkündigungskirche

Verkündigungskirche

 

 

 

 

 

 

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Die Bronzetüren der Basilika zeigen Schlüsselszenen des Christentums und des Lebens Jesu: Sündenfall, Taufe, Bergpredigt, Kreuzigung und Auferstehung.

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Von 150 v. Chr. bis 68 n. Chr. war der abgeschiedene Ort, an dem die berühmten Qumran-Schriftrollen gefunden wurden, Heimat einer radikalen Sekte, den Essenern. Sie glaubten, die Ankunft des jüdischen Messias stünde unmittelbar bevor und bereiteten sich mit Fasten und rituellen Waschungen darauf vor. Die Römer verfolgten die Sekte und vernichteten sie, die Essener gerieten in Vergessenheit, bis 1947 ein Beduinenhirte eine verirrte Ziege suchte. Er stieß auf eine Höhle und fand dort mehrere 65 cm hohe Tonkrüge, in denen sich 190 kostbare, in Leinen gewickelte Schriftrollen befanden. Dank des trockenen Wüstenklimas haben sie die 2000 Jahre fast unbeschadet überstanden.
Der Fund, dessen Wert niemand abschätzen konnte, wurde zunächst auf einem Basar in Bethlehem angeboten und fand, teils auf Umwegen über die USA, seinen Weg in die Hände von Archäologen. 2005 wurde man erneut fündig, allerdings auf einer Polizeistation in der Nähe von Qumran. Ein Beduine wollte dort Fragmente aus Hirschleder schätzen lassen, die er im Felsmassiv entdeckt hatte und für die ihm ein privater Sammler Zehntausende US-Dollar geboten hatte. Schließlich verkaufte er seinen Fund an die israelische Altertumsverwaltung. In einem kleinen Museum am Eingang zu Qumran kann man Reproduktionen der Rollen bewundern. Die Originale liegen in einem eigens gebauten Museum in Jerusalem.

Eingang zu der Höhle, in der die Schriftrollen gefunden wurden.

Eingang zu der Höhle, in der die Schriftrollen gefunden wurden.

 

 

 

 

 

image016Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel. Sie liegt in den judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer und hat 804.355 Einwohner.
Die Altstadt blickt auf eine über 3.000 Jahre alte Geschichte zurück. Die Stadtmauern wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Innerhalb der Mauern ist die Altstadt in vier Stadtviertel unterteilt: Je eins für Juden, Muslime, Christen und Armenier. Östlich sowie südlich der Altstadt liegen der Ölberg und der Berg Zion, die eng mit der christlichen Tradition verbunden sind. Im Norden und Westen erstreckt sich das moderne Jerusalem.

In der Landeshauptstadt befinden sich der Sitz des Staatspräsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht als Teil des politischen Systems Israels, die 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

1979 lebten 50.000 Juden in Ostjerusalem, 1993 waren es schon 160.000. Heute gibt es 497.000 jüdische Israelis in Jerusalem, davon mehr als 200.000 auf dem besetzten palästinensischen Gebiet. Der Anteil der jüdischen Bewohner im gesamten Jerusalem lag 2005 bei 65 %, der muslimische Anteil bei 32 % und der christliche Anteil bei 2 %.

Heute ist die Klagemauer, die westliche Umfassungsmauer des Tempelbezirks, ein heiliger Ort für Juden, nur der Tempelberg selbst übertrifft ihn an Bedeutung.
Weltweit befindet sich der Toraschrein von Synagogen traditionell an der Wand, die Jerusalem zugewandt ist. Wie in der Mischna beschrieben und im Schulchan Aruch festgelegt, werden die täglichen Gebete im Judentum in Richtung auf Jerusalem und den Tempelberg verrichtet.
Die Mauer ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Unzählige Besucher kommen zum Beten oder stecken aufgeschriebene Gebete, Wünsche und Danksagungen in die Ritzen und Spalten der Mauer. Da der Platz in den Ritzen natürlich begrenzt ist, fallen viele Zettel mit der Zeit herunter und werden später aufgesammelt. Einmal monatlich werden die Zettel aus den Ritzen entfernt und zusammen mit den heruntergefallenen anonym auf dem Ölberg bestattet.

Klagemauer

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Den Christen ist Jerusalem heilig, weil es der Ort der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi ist. Über 100 Mal wird Jerusalem im Neuen Testament erwähnt, nach der Bibel wurde Jesus kurz nach seiner Geburt in die Stadt gebracht, hier hat er Opfertierhändler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben, hier fand das Abendmahl statt. Gleich außerhalb der Stadt soll Jesus gekreuzigt und begraben worden sein. Der wahrscheinliche Ort liegt heute innerhalb der Stadtmauern.

Im Gegensatz zur jüdischen und christlichen Bibel erwähnt der Koran Jerusalem kein einziges Mal namentlich, die Stadt gilt aber trotzdem traditionell als die drittheiligste des Islam (nach Mekka und Medina). Bevor in Richtung der Kaaba in Mekka gebetet wurde, war zu Lebzeiten des Propheten Mohammed für kurze Zeit Jerusalem Richtungsort des Gebetes.

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Die Via Dolorosa zieht jeden Tag wahre Pilgerströme an. Die Straßen, durch die diese Route führt, werden wie alle anderen im muslimischen Viertel von Läden und Ständen gesäumt. Die Route verbindet das muslimische mit dem christlichen Viertel, auf der Strecke befinden sich 14 Stationen, die an Christis letzten Gang erinnern sollen. Einige der Stationen sind nur durch Schilder gekennzeichnet, die man zwischen den Geschäften schwer erkennen kann, andere befinden sich in Gebäuden. Die letzten fünf Stationen liegen innerhalb der Grabeskirche.

Jedes Jahr finden sich am Karfreitag tausende von Touristen ein, die den Leidensweg Christi auf der Via Dolorosa nachgehen. Das Geschäft mit Leihkreuzen und Dornenkronen boomt dann. Ein Muslim führt den Verleih der Kreuze. Das Gewicht können sich seine Kunden aussuchen – Italiener mögen es leicht, Deutsche tragen gern Größe M, also etwa 18 kg.

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Die wichtigste Kirche der Christen steht dort, wo die Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu stattgefunden haben sollen. Die erste von vielen Basiliken an dieser Stelle ließ der römische Kaiser Konstantin zwischen 326 und 335 auf Wunsch seiner Mutter errichten.

Heute ist die Grabeskirche in der Hand sechs christlicher Konfessionen: Die Hauptverwaltung der Kirche haben die Griechisch-Orthodoxe und die Römisch-Katholische Kirche (vertreten durch den Franziskaner-Orden), sowie die Armenisch- Apostolische Kirche inne. Im 19. Jahrhundert kamen die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche hinzu. Sie bekamen nur einige kleinere Schreine und Aufgaben zugeteilt, die Äthiopier leben als kleinste Gruppe auf einem Dach der Kirche. Protestantische Konfessionen sind in der Kirche nicht vertreten. Immerhin befinden sich in dem Gebäude 30 Kirchen, verteilt auf zwei Etagen.

Dies führt zu häufigen Streitereien und Kompetenzgerangel, so dass die Osmanen schon im Mittelalter zwei muslimische Familien mit dem Hausmeisteramt und der Schlüsselgewalt betrauten. Dadurch sollte verhindert werden, dass die verschiedenen Religionen sich nicht nachts gegenseitig die Reliquien und Kunstgegenstände stahlen.

Die Osmanen verfügten 1852, dass nichts in und an der Kirche verändert werden durfte. Die israelischen Behörden beließen die festgesetzte Aufteilung (status quo), nachdem die Altstadt nach dem Sechstagekrieg 1967 unter ihre Verwaltung kam. Die komplizierten Besitzverhältnisse erschweren bauliche Maßnahmen sehr, da jede Veränderung eine Verletzung des Status quo verursachen könnte. So steht zum Beispiel eine längst nutzlos gewordene Holzleiter an der Fassade über dem Hauptportal (s. Foto). Sie diente im 19. Jahrhundert den Mönchen zum Einstieg in die Kirche, wenn die Tore behördlich geschlossen waren. Seit vielen Jahrzehnten laufen Bestrebungen, sie zu entfernen, doch ist es nicht geregelt, wer dazu befugt wäre.

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Nicht nur der Besitz in der Kirche ist genau geregelt, sondern auch wer wann wo wie lange beten darf. So muss zum Beispiel das Grab für die tägliche Prozession der Franziskaner von den Orthodoxen frei gemacht werden. Besonders kritisch wird die Situation immer zu Ostern, wenn alle Kirchen das Hochfest der Auferstehung feiern. Da die Katholiken selten am Termin der Ostkirche feiern, kommt es da vor allem zum Konflikt unter den Orthodoxen. So kommt es gelegentlich zu Handgreiflichkeiten zwischen Mönchen wegen der nicht eingehaltenen Gebetsordnung. Auch während der Sperrzeiten in der Nacht bleiben Mönche aller Konfessionen in der Kirche. In der Kirche gelten wegen der unumstößlichen Zeiteinteilung auch keine Sommerzeitregelungen. Im Sommer gilt demnach eine andere Zeit als außerhalb der Kirchenmauern.

Direkt hinter dem Portal stößt man auf den Salbungsstein, auf dem Überlieferungen zufolge, der Leichnam Christi gesalbt wurde. Fromme Besucher aus aller Welt beten hier, breiten auf dem Stein Bibeln, Rosenkränze oder Souvenirs aus und betrachten diese anschließend als geweiht.

Im Erdgeschoss befindet sich die 1863 erbaute und 1959 restaurierte Grabrotunde mit ihrer 50 Meter hohen Kuppel. Hier soll sich das Grab Jesu befinden und der Fels, auf dem der Leichnam bis zur Osternacht lag. Lange Menschenschlangen stehen vor dem Eingang des unbeleuchteten Grabes, das nicht mehr als 4-6 Gläubige fasst.

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Der Garten Gethsemane ist ein durch Mauern abgeschirmter Olivenhain, in dem sich Jesus mit seinen Jüngern zu treffen pflegte. Einige Ölbäume sollen noch aus dieser Zeit stammen.

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Auf dem Herzl-Berg, wo die beiden Politiker Golda Meir und Yitzak Rabin beigesetzt sind, liegt die berühmte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (übers. Zum dauernden Gedenken). Die bedrückende Gedenkstätte für die 6 Millionen getöteten Juden gehört zum Pflichtprogramm der Staatsgäste, aber auch vieler Touristen.
Man betritt die Anlage durch die „Allee der Gerechten unter den Völkern“, auf der jeder Baum einem Nicht-Juden gewidmet wurde, der sein Leben riskierte um Juden zu verstecken und somit zu retten. Einer der ersten der rund 19.000 Bäume soll der Familie Schindler gedenken.
Die „Hall of Remembrance“ (Halle der Erinnerung) ist ein nüchterner, grabartiger Raum, in dem auf schwarzen Basaltplatten die Namen der 22 größten Konzentrationslager eingraviert sind. Unter den Platten ist die Asche aus den KZs begraben, darauf brennt ein ewiges Licht in Form eines zerbrochenen Kelches.

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Das eigentliche, im Jahr 2005 eröffnete Museum, ist ein langer, in einen Fels geschlagener Gang mit zehn Ausstellungssälen. Die Exponate umfassen rund 2.500 persönliche Dinge, die von Überlebenden gestiftet wurden.

Das erschütterndste Mahnmal war für mich das 1987 geschaffene Children’s Memorial. In einem unterirdischen, dunklen Raum stehen Glaswände, in denen sich die Flammen von nur fünf Kerzen scheinbar millionenfach wiederspiegeln. Jede Flamme ist ein Symbol für die Seele eines der 1,5 Millionen Kinder, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Eine Frauenstimme nennt ihre Namen, ihr Alter und ihren Geburtsort. Das und die flackernden Kerzen in dem ansonsten komplett dunklen Raum, in dem man sich unsicher mittels eines Handlaufes an der Wand entlang bewegt, sorgen für eine surreale Stimmung. Gestiftet wurde die Gedenkstätte von Abe und Edita Spiegel, deren Sohn Uziel im Alter von zweieinhalb Jahren in Auschwitz ermordet wurde.

 

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Nur acht Kilometer von Jerusalem liegt, an einen Berghang geschmiegt Bethlehem, die Heimatstadt Davids, der später zum König ernannt wurde und natürlich Jesus‘. Ihren Namen erhielt die Stadt aufgrund ihrer fruchtbaren Umgebung, die von Getreidefeldern, Obstplantagen, Weinbergen und Olivenhainen geprägt ist. Und so entstand aus „Haus des Brotes“ (hebr. Beit Lehem) und „Haus des Getreides“ (arab. Beit Lahm) der Name Bethlehem.

Die kleine Stadt mit nur 32.000 Einwohnern untersteht seit dem 24.Dezember 1995 nach dem vereinbarten Rückzug der israelischen Besatzer der palästinensischen Autonomiebehörde. Seitdem ist Bethlehem durch eine 8 Meter hohe Mauer abgeschottet und der Touristenstrom ist –sicher auch wegen der Kontrollen an den Checkpoints- deutlich zurückgegangen.

Viel zu bieten hat Bethlehem in meinen Augen ohnehin nicht. Die Geburtskirche ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte im Heiligen Land. Über den genauen Geburtsort und das Geburtsdatum streiten sich die verschiedenen christlichen Konfessionen genauso erbittert, wie um die Putzordnung in der Grabeskirche in Jerusalem.

Die Geburtskirche wurde wie eine Festung über jene Höhle gebaut, in der Jesus zur Welt gekommen sein soll. Das Datum variiert insofern, als dass die römisch-katholischen Gläubigen der Ansicht sind, Jesus wurde in der Nacht zum 25. Dezember im Jahr 5 v. Chr. geboren, nach griechisch-orthodoxer Auffassung geschah das am 6. Januar 4 v. Chr. und nach armenischem Glauben am 18. Januar 4 v. Chr. Die Wissenschaft geht vom Jahr 7 v. Chr. aus, nur auf das Jahr 0, auf dem die abendländische Zeitrechnung basiert, besteht keine der Konfessionen.

Die erste Geburtskirche wurde im 4. Jh. von Kaiser Konstantin errichtet. Im 6. Jh. ließ Justinian sie um eine fünfschiffige Basilika erweitern. Die Kreuzfahrer ergänzten den Bau um Bronzetüren, die von Marmor gerahmt wurden und krönten hier ihre Könige.

Man betritt das Gebäude durch das nur 1,20 m hohe Tor der Demut, das man vor dem Einfall der Türken so tief setzte, damit sie nicht mit ihren Pferden in die Kirche reiten und den eiligen Ort entweihen konnten.

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In der Kirche muss man sich auf lange Wartezeiten einstellen. Die Schlange der Gläubigen, die die von den Griechisch-Orthodoxen verherrlichte Geburtsstätte sehen wollen, zieht sich durch die ganze Kirche.
Trotz der Warnungen unseres Reiseleiters wollten einige Mitreisende diese Gedenkstätte sehen und so mussten wir etwa 2 Stunden Wartezeit überbrücken. Ein Stern in der Geburtsgrotte markiert die Stelle, an der Jesus geboren wurde, Tag und Nacht brennen Öllampen und aufgrund der vielen Besucher, die sich mehr oder weniger lang in der Grotte aufhalten, „steht“ hier die Luft.

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In der benachbarten Katharinenkirche geht es ruhiger zu. Das Gotteshaus wurde in den 1880er Jahren von Franziskanern über einem Augustinerkloster aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Auf der rechten Seite führen Stufen zu der Grotte hinunter, die die Christen als Geburtsstätte verehren. Hier betrug die Wartezeit etwa 3 Minuten.

Katharinenkirche

Katharinenkirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die berühmte Festung Masada liegt in einer trostlosen, kargen Steinwüste auf einem Felsenkliff, das fast bis ans Tote Meer reicht. Mit einer Seilbahn kann man auf das 440 Meter hohe Plateau gelangen.
König Herodes, der bekanntermaßen unter Verfolgungswahn litt, fand diesen Ort ideal, um eine uneinnehmbare Schutzburg zu errichten. Nach sechsjähriger Bauzeit war Masada fertig. Eine doppelte Mauer, bewehrt mit 37 Türmen, umgab nun das Plateau. Nach Herodes‘ Tod wurde Masada römischer Garnisonsstützpunkt, bis im Jahr 66 n. Chr. jüdische Zeloten, eine radikale römerfeindliche Gruppe, die Festung einnahmen und sich bis 70 n. Chr. hier verschanzten.
Dann nämlich beschlossen die Römer, die letzte jüdische Festung in Palästina zu erobern. Als Flavius Silva hier mit etwa 10.000 Mann anrückte, wohnten 967 Männer, Frauen und Kinder auf dem Felsen. Um eine Flucht der Zeloten zu verhindern, ließ Silva um den Fels herum eine 3,5 km lange Mauer mit 12 Türmen bauen. Seine Soldaten verteilte er auf zwei Hauptlager und sechs kleine Feldlager.

Die Römer begannen eine Rampe zu bauen mit dem Ziel, die Festung zu stürmen. Als bei Einbruch der Dunkelheit die erste Befestigungsmauer fiel, beschlossen die Römer, die Stadt am nächsten Tag einzunehmen.
Den Bewohnern war natürlich klar, dass sie keine Chance gegen die Römer hatten und ihnen ein Leben in Knechtschaft drohen würde. Ihre Frauen und Kinder würden vermutlich missbraucht werden.
Und so beschlossen die Zeloten, sich zu töten. Sie zerstörten ihre Schätze und verbrannten Teile der Festung. Nur die Lebensmittel ließen sie unversehrt, damit klar war, dass sie keinen Hunger gelitten hatten.
Als die Römer am nächsten Tag den Ort stürmten, fanden sie alle Bewohner tot vor. Man vermutet, dass zunächst die Männer ihre Familien umgebracht haben und anschließend per Los bestimmt wurde, wer bis zuletzt übrig blieb und sich selbst tötete. Dies nahm man an, weil mit Namen versehene Scherben gefunden wurden.

Masada wurde 1838 von einem amerikanischen Archäologen gefunden, jedoch erst zwischen 1963 und 1965 ausgegraben. An der Freilegung der Ruinen waren Armeen und Freiwillige aus 28 Ländern beteiligt.

Faszinierend an der Anlage ist, dass es hier –mitten in der Wüste- scheinbar Wasser im Überfluss gab. Herodes ließ ein ausgeklügeltes Zisternen- und Kanalsystem bauen, in dem der seltene, aber heftige Regen gesammelt werden konnte. Jede der 12 Zisternen hatte ein Fassungsvermögen von rund 4.000 m³, so dass die Anlage mit mehreren Bädern ausgestattet werden konnte.

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105Als Beduine bezeichnet man nomadische Wüstenbewohner der Arabischen Halbinsel, der Syrischen Wüste, des Sinai, in Teilen der Sahara und im israelischen Negev. Die Beduinen selbst nennen sich Arab im Gegensatz zu den Sesshaften (Nichtnomaden), Haḑar.

Seit den 1960er Jahren versucht die israelische Regierung sowohl verstärkt jüdische Siedler zur Niederlassung zu bewegen, als auch die verbleibende beduinische Bevölkerung in teils dafür gegründete Städte umzusiedeln und Landenteignungen vorzunehmen. Um juristisch gegen die nomadisch lebende Bevölkerung vorgehen zu können, wurde 1950 im Namen des Umweltschutzes das Grasen von Viehherden in großen Teilen des Negev verboten. Und das Züchten von Ziegen ist seit Jahrhunderten eine der Hauptbeschäftigungen der Beduinen in dieser Region.

Von den etwa 180.000 Beduinen Israels leben jedoch erst 100.000 in den für sie geschaffenen Städten. Die Regierung hat es schwer, die Menschen für das Wohnen in Häusern zu begeistern. Nicht selten werden die Ziegen und Schafe in den Häusern untergebracht und die Beduinen schlafen draußen.

Die verbleibenden knapp 80.000 Beduinen stellen sich stur. Sie wohnen lieber weiter in insgesamt 45 „nicht anerkannten Ortschaften“, die auf den offiziellen Karten nicht auftauchen. Und sie haben meistens weder fließendes Wasser noch einen Stromanschluss oder geteerte Straßen. Sie wechseln ihre Lagerstätten und verdienen ihren Lebensunterhalt durch Schmuggel.

104Das Tote Meer ist ein abflussloser See mit einer Fläche von 800 qm², der 416 m unter dem Meeresspiegel liegt, vom Jordan gespeist wird und für seinen hohen Salzgehalt bekannt ist. Er grenzt an Palästina, an Israel und an Jordanien.
Schon die Fahrt zum Toten Meer ist faszinierend, da man viele Kilometer der Negev Wüste durchfährt.

Der Salzgehalt des Sees liegt bei 33%, der des Mittelmeeres z. B. bei 3 %. Die Mineralzusammensetzung unterscheidet sich jedoch deutlich von der des Meerwassers. Es enthält ungefähr 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid, bezogen auf die wasserfreien Salze.
So dürfte es klar sein, dass im Toten Meer kein Leben möglich ist. Die Nabatäer (ein antiker nordwestarabischer Nomadenstamm) und die Ägypter nutzen die natürlichen Ressourcen des Aspahltsees- wie er damals noch hieß- um damit ihre Toten einzubalsamieren. Einladend war die Landschaft um den See noch nie, das schützte die Region vor Bebauung und Besiedlung.

Heute ist das Tote Meer jedoch eine Touristenattraktion. Hier liegen bekannte Heilbäder, die damit werben, Rheuma- Nerven- und Hautkranheiten zu heilen. Aber es kommen auch unzählige Tagesausflügler, die ein Bad in dem salzhaltigen Wasser mit der hohen Tragfähigkeit nehmen wollen.

Wegen der Trinkwasserknappheit in Israel wird die Speisung des Toten Meeres durch den Jordan immer weiter gedrosselt. Das führt dazu, dass der Wasserstand permanent sinkt und zwar bis zu einem Meter pro Jahr.

Pläne zur Rettung des Toten Meeres sehen vor, einen 300 km langen und fünf Milliarden US-Dollar teuren Kanal vom Toten zum Roten Meer zu graben. Das durch den Kanal zugeführte Wasser könnte den Wasserspiegel stabil halten, und gleichzeitig könnte das Gefälle zur Energieerzeugung genutzt werden. Wissenschaftliche Studien warnen allerdings vor den Risiken eines solchen Vorhabens: Gefahr bestehe zum einen für die Korallenriffe im Golf von Akaba, von wo das für das Tote Meer gedachte Wasser entnommen werden soll. Zum anderen könne die Vermischung des kalziumhaltigen Wassers des Toten Meeres mit dem sulfatreichen Wasser aus dem offenen Meer zu großflächiger Calciumsulfat-Ausfällung (Gipsbildung) im Toten Meer führen.

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